Wir waren 2007 bei "KiR":

Georg Schramm
Jess Jochimsen
Horst Schroth
Barbershop Sixpack
Harald Hurst
Luise Kinseher
SWR1-Siegertour 2007

Furioses Finale auf der "KiR-Bühne" mit den Großen der Kleinkunst!

 Auf der "KiR-Bühne" des Rheinstettener Schulzentrums zündeten die Gewinner des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg eine Rakete nach der anderen, sodass sich die ?SWR1-Siegertour 2007? als echtes Feuerwerk der Kleinkunst-Sonderklasse darstellen konnte. Es war ein furioses Finale für das ausnahmslos begeisterte Rheinstettener Publikum!

Klaus Birk, der schwäbische Kabarettist, der als ?Pate? die Gewinner des Kleinkunstpreises auf den vier Stationen ihrer Siegertour durchs Land begleitet, traf ins Schwarze, als er vehement die Bezeichnung ?Kabarettstar? für sich zurückwies und vielmehr die grandiosen Leistungen der Preisträger in den Mittelpunkt stellte. Gesang, Magie, Comedy und Mundart-Musikkabarett wurden auf der ?KiR-Bühne? in so hoher Perfektion vorgestellt, dass dem Publikum bewusst war, hier keine Anfänger sondern exzellente Könner ihres Fachs zu erleben, die zu Recht mit dem ?Oscar der Kleinkunst? ausgezeichnet wurden.

Den getrageneren Teil der Kleinkunst vertraten Sängerin Sandra Hartmann und Komponist Peter Schindler, die sich mit ihrem Programm ?Rosenzeit ?Liebesleid? an alte, manche würden wohl sagen verstaubte Dichterfürsten herangewagt hatten und deren Lyrik in modernem Gewande darboten. Die Professionalität der Sängerin gepaart mit der Leichtigkeit der Flügelbegleitung ergaben für die Zuhörer neue Klangwelten und nicht geahnte poetische Überraschungen.

Explosiv wurde es mit Timo Marc. Der junge Magier verzauberte Rheinstetten, wie es ihm zuvor bereits in Monte Carlo, Peking oder Shanghai gelungen war. Mit ?Blue Vision? verband er traditionelle und High-Tech-Zauberei, fügte uraltes Schattenspiel hinzu und sein Publikum kam aus dem Staunen nicht heraus: Wie kommt der Ball aus dem Monitor? Wie fügen sich Timo Marcs Kopf und Körper wieder zusammen? Dieses rasante Spiel der Sinnestäuschung machte deutlich, dass hier ein Preisträger zaubert, dem die großen Varietébühnen der Welt offen stehen werden.

In der Welt der Magie ist Topas kein Unbekannter. Er hat die großen Bühnen bis nach Las Vegas bereits erobert, aber auf der ?KiR-Bühne? in Rheinstetten offenbarte er sein unglaubliches Talent im Bereich der Comedy. Wie er mit seinen Geräuscheffekten dem Publikum die Tränen in die Augen trieb, mit seiner Drive-in-Bestellnummer die Zwerchfelle erschütterte, war bereits erste Sahne, aber als er dann noch Howard Carpendale auf die Bühne zauberte, gab es kein Halten mehr. Howie in Gebärdensprache war die Begegnung der besonderen Art!

Fremdsprachenkenntnisse waren durchaus von Vorteil, als Ernst und Heinrich mit geballter ?Schwabenpower? ihren ?gehobenen Schwachsinn mit Tiefgang? in Szene setzten, sich selbst aber auch ihr Publikum auf die Schippe nahmen, um schließlich der Adventszeit Tribut zu zollen, in dem sie die Weihnachtsgeschichte, genauer die Geburt des Christkindes, in eine urschwäbische Familie verlegten. Da konnten selbst Menschen im Badischen nur staunen.

Der von SWR-Moderator Matthias Holtmann als ?Starkabarettist? angekündigte Klaus Birk kokettierte zwar mit diesem Titel, aber seine kabarettistischen Hiebe waren so treffend, sein Humor so schwarz und beißend, dass diese Bezeichnung durchaus gerechtfertigt war. Wer das Prinzip der Seelenwanderung oder die Frage nach dem Aussterben der Baden-Württemberger so schlüssig beantworten kann wie Klaus Birk, gehört sicher zu den größten Denkern, die Tübingen jemals hervorgebracht hat.

Als SWR-Holtmann zum Finale auf die Bühne rief und sich die ?KiR?-Verantwortlichen bei den Künstlern aber auch bei Lotto-Kommunikationsdirektor Klaus Sattler bedankten, hatte dieser noch eine Überraschung parat: Unter den Zuschauersitzen waren 30 ausgefüllt und bezahlte Lotto-Scheine für zwei Ziehungen verteilt, so dass durchaus die Möglichkeit besteht, dass die ?Siegertour? weitere Sieger in Rheinstetten zurückgelassen hat.

Die Künstler in der Reihenfolge ihres Auftritts:

Sandra Hartmann und Peter Schindler; Timo Marc; Topas; Ernst und Heinrich; Klaus Birk und SWR1-Moderator Matthias Holtmann:

...und das schrieben die BNN über die SWR1-Siegertour 2007:

"Z'wider bist mr ned!" oder Luise Kinsehers Glücksseminar

Wer tagespolitisches Kabarett erwartet hatte, als Luise Kinseher die "KiR-Bühne" betrat, musste sich umstellen, denn was "die Vollblutkabarettistin aus Niederbayern" in Rheinstetten bot, war eine perfekte Satire auf die zahllosen Verkaufssender, Ratschlagbücher, Erfolgs- und Motivationsseminare, die in unserer schönen, neuen Welt so in Mode sind.

Glück als Krönung der Spaßgesellschaft ist erreichbar, ist erlernbar, so die Botschaft der fiktiven Besitzerin der Firma ?Glück & Co?, wende man nur die vermeintlich unfehlbaren Tipps von Frau Lachner und ihrer Kolleginnen an. Doch diese Glitzerwelt der aufgesetzten Leichtigkeit bricht bei jeder Nummer in sich selbst zusammen und zum Vorschein kommt die Trostlosigkeit und Traurigkeit einer ungeschminkten Realität. Traumwelt und Wirklichkeit treffen bei Luise Kinseher aufeinander, die es durch ihre große schauspielerische Fähigkeit geschickt versteht, diesen Zwiespalt in und durch die Vielzahl wechselnder Figuren darzustellen. Herausragend dabei ist Helga Frese, die ihren Heinz, mit dem sie seit 50 Jahren verheiratet ist, sucht oder Frau Wondra aus Böhmen, die einzige Überlebende einer riesigen Serviettenknödelexplosion. Einen wahren Schub an Endorphinen erzeugt die Interpretation der boageschmückten Sekretärin Birgit Rösch von ?Ich wollt, ich wäre ein Huhn?, die Luise Kinseher mit einer niederbayrischen Jodlerzugabe und der Becker-Faust krönt.

Ihre Spontanität stellt die bayrische Kabarettistin beim Spiel mit dem Publikum unter Beweis, wobei es nicht so sehr die sprachlichen Finessen sind, die überzeugen, als vielmehr die ausdrucksvolle Körpersprache. Zum Weiterdichten animieren die sogenannten Haruschis, die Sinngedichte des indischen Glücksphilosophen Mahatma Haruschi, mit deren Hilfe Kinseher erst ins Gespräch mit ihrem Publikum kommt und die die gelungenen Verbindungsstücke zwischen den Auftritten der wechselnden Akteure darstellen, frei nach dem Motto ?Springt der Gockel auf den Hahn, nimmt das Huhn sich einen Schwan?!

Vergleichbar mit Dieter Hildebrandts ?Schlesischen Gedichten? ist dann die abschließende Zugabe von Luise Kinseher, die niederbayrische Liebeserklärung: Was sagt ein Niederbayer, wenn er seiner Angebeteten seine Liebe beteuern will? ?Z?wider bist mr ned!?

Harald Hurst auf der "KiR-Bühne" oder die Kunst das Besondere im Alltäglichen zu sehen!

Man muss es neidlos anerkennen: Harald Hurst hat eine Fangemeinde, die generationenübergreifend ist. Und diese hat der badische Kultautor fest im Griff, was er auf der ?KiR-Bühne? vor nahezu 500 Besuchern erneut unter Beweis stellte.

Wie kein Zweiter beherrscht er die Kunst, das Besondere im Alltäglichen zu sehen, es zu beschreiben und auch genussvoll vorzutragen, sodass sich sein Publikum in den Anekdoten und Geschichten wieder erkennt. Dieser Aha-Effekt lässt seine Zuhörer tuscheln, verursacht heftiges Kopfnicken oder provoziert die spontan gestellte Frage: ?Wann waren Sie bei uns zu Hause??

In vielen Passagen seiner Lesung beschäftigte sich Hurst mit der Behauptung des BNN-Redakteurs und Mundartschriftstellerkollegen Thomas Liebscher, in seinem neuesten Buch ?Des elend schöne Lebe? sei er altersmilde gegenüber den Schwaben geworden. ?Wir Badener?, so Harald Hurst, ?brauchen die Schwaben?, denn durch sie nur könnten wir uns perfekt definieren: ?Wir sind net so wie die!?

Allerdings wusste Hurst auch von für ihn überraschenden Begebenheiten aus dem Schwäbischen zu berichten. Als er 2003 in Gerlingen zu einer großen Jubiläumsveranstaltung gewesen sei, habe die dortige Stadtkapelle ihm zu Ehren sogar das Badner-Lied gespielt und der Bürgermeister habe kräftig mitgesungen. Was Hurst in Erstaunen versetzte, war seinem Publikum sonnenklar: Gerlingens Bürgermeister heißt schließlich Georg Brenner und war Hauptamtsleiter im badischen Rheinstetten! So bringen Lesungen auch für einen ?badischen Dichterfürsten? noch einen Zugewinn an Wissen und unendlich viel gute Unterhaltung für ein ihm zugeneigtes Publikum.

Für die musikalischen Zwischentöne waren Sängerin Beatrix Reiling und ihr Gitarrist Alex Wolfinger verantwortlich, die mit ihren Stücken für die notwendigen Erholungspausen sorgten, nach denen Harald Hurst erneut ?des elend schöne Lebe? beschreiben konnte.

 

Wenn eine Speisekarte zum musikalischen Erlebnis wird: a-cappella a la carte!

Seit 1985 gibt es das Karlsruher Männerquartett ?Barbershop Sixpack?. Es sind also im Grunde genommen ?alte Hasen?, die da auf der Bühne stehen, und doch springt der Funke der musikalischen Begeisterung sofort aufs Publikum über, denn dieses spürt bei jedem Lied die Freude, das schelmische Vergnügen aber auch die Ernsthaftigkeit, die die vier Sänger bei ihrem Vortrag begleiten. Auf der ?KiR-Bühne? paarten sich ein vom ersten Lied an präsentes Quartett mit einem begeisterungsfähigen Publikum, sodass das Finale in nicht enden wollendem rhythmischem Beifall gipfelte.

Die Brüder Johannes und Georg Peter sowie Andreas Haas und Daniel Chroust entführten ihre Zuhörer auf eine Zeitreise durch das musikalische Lebensgefühl des 19. und 20. Jahrhunderts. Die ?Goldenen Zwanziger?, die Lieder der legendären Comedian Harmonists waren ebenso vertreten wie die Spielfilmschlager der fünfziger Jahre oder eben die amerikanischen Barbershop-Songs, die der Karlsruher Gruppe den Namen gaben.

Wie überzeugend und effektvoll sich die Kunstlieder der Komponisten Friedrich Silcher oder Carl Zöller darbieten lassen, demonstrierte das Quartett in Vollendung. Wenn eine Speisekarte, komponiert und getextet von Carl Zöller, vorgetragen von vier stimmgewaltigen und zungenflinken Könnern, zum musikalischen Erlebnis wird, dann ist das a-cappella a la carte! Wenn zudem das eher melancholische deutsche Volkslied ?Im Wiesental? von dem schwäbischen Mundartpoeten Johann Martin Enderle alias Dieter Adrion in die ?Ernüchterung im Weinkeller? umgedichtet und von ?Barbershop Sixpack? mit entsprechendem Augenzwinkern vorgetragen wird, dann ist das Sahnehäubchen so perfekt, dass dem staunenden Publikum nur noch pures Genießen bleibt.

Sichtbar angetan war die Gruppe nicht nur vom Publikum sondern auch von dem großflächigen Bühnenplakat des Rheinstettener Künstlers Waldemar Lustig, der die amerikanische Barbershop-Szene so trefflich darstellte und dem überzeugenden Konzert auf der ?KiR-Bühne? einen gelungen Rahmen gab.

Die Konzert-Kritk von Heinz Klusch in den BNN am 25.9.07:

Klicken Sie den BNN-Artikel an, um ihn zu vergrößern.

Horst Schroth: "Dazu hätte ich noch zwei Takte zu sagen ..."

?Der versteht sein Handwerk oder besser ? sein Mundwerk?, urteilte eine Besucherin über Horst Schroth und lächelnd fügte sie hinzu: Der spricht ja schneller als ich manchmal hören kann!?

Damit wäre eigentlich alles gesagt, denn der Gesellschaftssatiriker Horst Schroth war auf der ?KiR?-Bühne ganz in seinem Element, als er die nahezu alltägliche Geschichte des Unternehmers Nick Niehoff erzählte. Und die der Schwester Renate, des Neffen Jonas, des Juniorpartners Juan Carlos, des Geschäftsfreundes Matt, dessen Assistentin Beverly, seines Männerfreundes Frankie und die Geschichte des Peter-Maffay-Konzerts und von Verena. Und jedes Mal, wenn Schroth alias Nick eine neue Verschachtelung der Ereignisse einleitet, möchte er dazu ?nur zwei Takte? sagen.

Dass der Satiriker dabei kein gängiges Klischee auslässt, alle einschlägig vorbelasteten Berufsgruppen vorführt und dergestalt überzeichnet, dass sich auch dem Einfälltigsten im Saal das Klischee offenbart, ist schon wieder große Kunst. Seine Bilder sind eingängige (?Der würde dem Papst ein Doppelbett verkaufen? ?Der könnte man eine Weltreise schenken und sie wollte woanders hin!?). Sehr gelungen ist auch Schroths Spiel mit den Dialekten: das treffende Schwäbisch, das schnoddrige Berlinern und schließlich nahezu horrorhaft ? die Schrecklichkeit der Vogelgrippe ? auf Holländisch!

Mit seinem Programm ?Nur die Größe zählt? lieferte Schroth den Beweis, dass Kabarett nicht unbedingt extrem tagesaktuell sein muss, um gut und gekonnt zu sein. Oft liegt das Politische im Alltäglichen!

 

... und das schrieb Thomas Zimmer in den BNN über den Auftritt von Horst Schroth:

Jess Jochimsen & Sascha Bendiks: Tabubruch auf der "KiR"-Bühne

?Das wird jetzt ein bisschen weh tun" kündigte Christoph Lembach an, als er das Publikum in der Aula des Mörscher Schulzentrums begrüßte. Aber allzu schmerzhaft wurde der Abend mit Jess Jochimsen, dem Satzsammler, und Sascha Bendiks, dem Tonzauberer, nicht. Im Gegenteil. Was die beiden ?aufstrebenden Jungkabarettisten, Rock 'n' Roller und Dia-Liebhaber" auf der ?KiR"-Bühne boten, war äußerst unterhaltsam und außerdem belehrend. Denn wie sagte Jess Jochimsen: ?Wie haben einen Bildungsauftrag!"

Und diesen Auftrag erfüllten die beiden Künstler aus Freiburg mit Texten von Kierkegaard und Rilke, mit Filmzitaten und Alltagsweisheiten, mit Revolutionärem und Pippi Langstrumpf, mit ?Highway to hell? und dem traurigsten Countrysong aller Zeiten. Damit machten sie ihre Ankündigung wahr: ?Man muss eben beides machen: Country und Western. Ins Klo greifen und nach den Sternen!? Ganz nebenbei bauten die beiden Rheinstetten, ihren Auftrittsort, ins Programm ein ? nahtlos, als ob es schon immer dazu gehört hätte. Bizarr die Geschichte von der Suche nach der Aula des Schulzentrums: ?Rheinstetten muss eine Riesenstadt sein mit irrsinnig vielen Teilorten. Wir haben uns total verfahren. Fünf Mal kamen wir durch den Messetunnel!? Und dann die Schulnamen. Den des Gymnasiums konnte Jess Jochimsen noch absolut problemlos aussprechen, aber bei der Realschule holte ihn die Vergangenheit ein und wie sein revolutionäres Vorbild, der Strunzenegger Kurt, der den honorigen bayrischen Stammtisch wegen dessen Schönrednerei der Hitlerzeit zusammenstauchte, hätte er ? aber das ist eine andere Geschichte. Obwohl: Manch einer im Publikum wurde bei diesen Fingerzeig nachdenklich!

Auch was das Rauchen anbelangt erfüllten Jochimsen und Bendiks ihren ?Bildungsauftrag?. Historisch durchaus korrekt wiesen sie darauf hin, dass die Freigabe des Rauchens für alle eine Forderung der deutschen Revolution von 1848 war, also sozusagen ein Fanal der Demokratie. Und heute? Allein der Griff zur Zigarettenpackung wird bereits zu einem revolutionären Akt. Oder wie Thomas Zimmer in den BNN am 19.3. über den ?KiR?-Abend schrieb: ?Revolte beginnt schon auf dem Bahnhof ? im Aufbegehren gegen die ?Nichtraucherbahnsteigwarte?. In deren Gegenwart solle man einfach eine Kippe anstecken und mit Clint-Eastwood-Stimme brummen: ?Hier nimm mal?n Zug, dann kannste besser kacken.?? Dieses Aufbegehren-wollen, diese ganz private Revolte zog sich wie ein roter Faden durch das Programm und gipfelte im tatsächlichen Tabubruch: Dem demonstrativen Rauchen auf der Bühne in der Aula der Schule! Wie sagte Jess Jochimsen? ?Der Veranstalter hat uns gesagt: das ist verboten. Denkt an die Sprinkleranlage!? und Sascha Bendiks fügte hinzu: ?Wenn jetzt noch zwölfe aus dem Publikum mitrauchen, fluten wir die Aula!?

Was Jess Jochimsen und Sascha Bendiks mit ihrem Programm ?Das wird jetzt ein bisschen weh tun? boten, war weit entfernt von dem sonst üblichen traditionellen Kabarett auf der ?KiR?-Bühne. Und trotzdem kam auch diese Art der Kleinkunst beim Rheinstettener Publikum, das nicht unbedingt der Hardrockgeneration angehört, gut an. ?Wie die beiden auf der Bühne zusammenspielen, wie sich Wort und Musik ergänzen und sich eines aus dem andern entwickelt, ist bewundernswert. Und dann noch diese Dias!? Das war der angekündigte ?Griff ins Klo?, Fotos aus dem alltäglichen Leben, so skurril, dass sie tatsächlich weh taten ? aber nur ein bisschen!

 

Georg Schramm: "Thomas Bernhard hätte geschossen!"

Das war Kabarett der absoluten Spitzenklasse, was Georg Schramm in einem nahezu dreistündigen Programm auf der "KiR"-Bühne bot. Es war undiplomatisch, treffend und oft hart an der Schmerzgrenze.

Georg Schramm machte seinem Ruf, der scharfzüngigste und intellektuellste aller deutschen Kabarettisten zu sein, alle Ehre. Und dem Rheinstettener Publikum blieb mehr als einmal das Lachen im Halse stecken.

Man sah es deutlich: auf der Bühne arbeitete sich einer an der "Deutschen Krankheit" ab. Schweißtriefend und kurzatmig, im Stakkato näherten sich Rentner Dombrowski und der Sozialdemokrat August aber auch Oberstleutnant Sanftleben dem Finale: "Thomas Bernhard hätte geschossen"!

Auf der "KiR"-Bühne herrschte Ausnahmezustand: Georg Schramm bot knallhartes Kabarett und er bewies ein weiteres Mal, wie recht der Urvater des politischen deutschen Nachkriegskabaretts Werner Finck mit seiner Formulierung hatte: "Das Kabarett ist wie ein Streichholz: Es zündet nicht, wenn es sich nicht an etwas reiben kann!"

Georg Schramm rieb sich an vielem, und er ließ seine Bühnenfiguren knallhart formulieren, woran es in dieser deutschen Gesellschaft krankt ? nicht nur in der Politik, sondern bei jedem Einzelnen. Das saß! Da blieb keine Zeit für echtes befreiendes Lachen, denn in einem unheimlichen Tempo raste Schramm zur nächsten Wunde, um Dombrowskis Armprothese hineinzulegen, was teilweise äußerst schmerzhaft war.

Was im Wartezimmer der Arztpraxis abging, war nicht lustig. Hier ließ Georg Schramm Spaß und Ernst vor den Augen der Zuschauer verschwimmen zu einer bedrohlich, unfreiwillig schrecklichen Komik. Schramms Figuren reden sich um Kopf und Kragen, entblößen sich - wie auch sein Publikum, wenn es an der falschen Stelle lacht. Um so beachtlicher das Lob des Kabarettisten nach der Vorstellung: ?Es war ein wunderbares Publikum, das eine tolle Atmosphäre erzeugte, in der man sich heiß spielen kann!?

Dass dies nicht nur der übliche Small-Talk war, beweist auch die Tatsache, dass Georg Schramm fast eine Stunde länger auf der ?KiR?-Bühne stand als geplant. Dort, im Lichte der wechselnden Stimmungen, zeigte er sein großes schauspielerisches Können, seine Verwandlungsfähigkeit, mit der er seine Figuren belebt und einzigartig macht. In Zivil, beim Biertrinken erkannten ihn die wenigsten, obwohl sie ihm eine Stunde zuvor noch zugejubelt hatten.

Georg Schramm und sein Soloprogramm ?Thomas Bernhard hätte geschossen? war in der Tat keine leichte Kost, keine unbeschwerte Freitagabendunterhaltung, sondern Kabarett zum Weiterdenken und um sich daran zu reiben!

 Was Sie noch über diese Veranstaltung lesen sollten:

BNN vom 16. 1. 2007,

Thomas Zimmer: Beklemmend echte Figuren. Georg Schramm vor ausverkauftem Haus bei "KiR"