Wir waren 2008 bei "KiR":

Helmut Schleich
Andreas Rebers
Johann M. Enderle & Traudel Kern
Havana Coastline
N. Alich & R. Pause
GlasBlasSing Quintett
Werner Koczwara

Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt - Werner Koczwara erklärte das Zivil- und Strafrecht auf der KiR-Bühne

Zwei Stunden stand Werner Koczwara auf der KiR-Bühne, gab in seinem ?juristischen Fachseminar? umfassende rechtliche Aufklärung und so ganz nebenbei vervollständigte er die Schöpfungsgeschichte: Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt! Spätestens nach diesen zwei Stunden wusste das Publikum einerseits, warum dieses Programm in den vergangenen Jahren zu einem echten deutschen Kabarett-Klassiker wurde und es fragte sich andererseits, warum Jurastudenten Studiengebühren bezahlen, wenn es doch für den Staat sehr viel einträglicher wäre, Vergnügungsteuer für diese Seminare zu erheben.

Allein der Einstieg ins eigentliche Programm hatte etwas für sich, als Koczwara die tatsächlich wichtigen Gesetze und Regeln der Menschheit miteinander verglich: die Zehn Gebote benötigen 279, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 300 Worte. Um die EU-Verordnung über die Einfuhr von Karamelbonbons niederzuschreiben, mussten die Brüsseler Bürokraten 25.911 Wörter verwenden. Wer nachrechnete, bemerkte rasch: die zehn Gebote und die Unabhängigkeitserklärung sind etwas kürzer, aber dafür steht auch kein Wort über Karamelbonbons drin! Auf eine Vielzahl solcher Feinheiten konnte der Kabarettist im Laufe des Abends verweisen, in dem er immer wieder aus seinen diversen schwergewichtigen Fachbüchern, z.B. dem ?Schönfelder? zitierte. Allerdings kam Koczwaras Publikum einige Male ins Zweifeln und manch einer fragte sich, was von all den obskuren Fällen Realität und was Phantasie ist. Eines jedoch ist sicher: tatsächlich steht in § 919 BGB, dass der Eigentümer eines Grundstückes vom Eigentümer eines Nachbargrundstückes verlangen kann bei der Wiederherstellung mitzuwirken, ?wenn ein Grenzzeichen verrückt geworden ist?. Darüber wird sich die Landesklinik für Psychatrie genauso freuen, wie sich das Rheinstettener Publikum gefreut hat!

 Neue Erkenntnisse brachten auch Koczwaras Hinweise auf das Jugend- und Erwachsenenstrafrecht, als er feststellte, dass man zwar mit 18 Jahren Bundeskanzler werden könne, strafrechtlich aber erst ab 21 Jahren als Erwachsener gelte. Das habe bei einem jungen Kanzler zur Folge, dass ein von ihm befohlener Angriffskrieg noch nach dem Jugendstrafrecht geahndet werden könne. Oder seine sehr direkten Hinweise auf das Versammlungsrecht, womit er sich und seine Bühnenkunst gehörig auf die Schippe nahm, aber gleichzeitig zielgenaue Pfeile in Richtung kabarettistische Dilettanten abschoss.

 Wer bis zu Koczwaras Auftritt auf der KiR-Bühne geglaubt hatte, Rechtswissenschaft sei eine absolut staubtrockene und humorlose Angelegenheit, der musste an diesem Abend gründlich mit seinen Vorurteilen ins Gericht gehen. Allein der deutsche Paragrafen-Dschungel erweist sich als kabarettistische Fundgrube, als Füllhorn der Sprachschöpfung und Wortungetüme, die Normalmenschen zur Verzweiflung oder zum zwerchfellzerreißenden Lachen bringen. Aus diesem Überangebot schöpfte Werner Koczwara und ließ eine Pointe der anderen folgen. Sein Publikum dankte es ihm zu Recht mit langanhaltendem Beifall und das alles ohne Rechtschutzversicherung!

 

...und das schrieb Holger Schorb am 17. 11. 08 in den BNN über den Kabarettabend mit Werner Koczwara:

Klicken Sie auf den Text, um ihn in lesbare Größe zu bringen.

"Juristisches Seminar" mit Werner Koczwara:

GlasBlasSing Quintett begeisterte mit dem ?Konzert der Flaschen?

Ihre Instrumente gelten gemeinhin als 0,5 oder 0,33-Liter-Gefäße, die erst zu ?Leergut? gemacht werden müssen, ehe sie musikalisch gestimmt werden können. Entsprechend dieser zeit- und energieraubenden Prozedur sah es auf der KiR-Bühne aus: Leergut so weit das Auge reichte und dazwischen fünf junge Künstler, die trotz oder gerade wegen ihres leicht chaotisch wirkenden Agierens das Publikum verzauberten.

 ?Liedgut auf Leergut? entpuppte sich als ein Konzert der besonderen Art. Das Berliner ?GlasBlasSing Quintett? verstand es in grandioser Weise, den Eindruck, den es bei seinem Kurzauftritt beim diesjährigen Karlsruher ?Fest? hinterlassen hatte, in dem zweistündigen Konzert auf der KiR-Bühne nachhaltig zu bestätigen. Das von Christoph Lembach als ?Konzert der Flaschen? angekündigte Musikspektakel zeigte, welch hohes Maß an Musikalität Recyclinggut besitzen kann ? sofern es in geübte Hände fällt.

 Dramaturgisch geschickt aufbauend führte das Quintett sein Publikum zunächst in die Grundlagen des Flaschenspiels ein: ?Ich mach mal ein Cis Null?, was ?Möhre? mit Hilfe einer 0,5er-Einheit einer Karlsruher Privatbrauerei in einem Zug auch eindrucksvoll vorführte. Darauf folgte eine wahre Demonstration musikalischer Vielfalt, die die fünf ?Flaschenmusiker? ihren Instrumenten entlockte. Von Elvis Presley bis Herbert Grönemeyer, von Johann Sebastian Bach bis zu den Beatles, von ?Walk this way? über ?Come together? und ?Tequilla? bis ?Don?t worry be happy?, von ?Ich brech die Herzen der stolzesten Frau?n? bis zum ?Flohwalzer? reichte das Repertoire der außergewöhnlichen Musiker und dabei beherzigten sie immer ihr Motto: ?Always look on the bright side of life?. 

 Staunen und wahre Stürme der Begeisterung lösten David Möhring, Andreas und Jan Lubert, Frank Wegner und Jens Tangemann mit ihrer ?Flaschenpercussion?-Nummer aus, die von vielen im Publikum als ?unglaublich? empfunden wurde. ?Allein dieser Programmpunkt war das Eintrittsgeld wert?, so die Reaktion eines Besuchers der KiR-Bühne an diesem Freitagabend. ?Und dass sie das Publikum nicht vorgeführt, sondern wirklich aktiv eingebunden haben, fand ich super!? Das fanden im übrigen auch die drei Personen, die beim Flaschenspiel mitmachen durften: ?Ein toller Abend!?

 

... und das stand am 21.10.2008 über das Konzert in den BNN:

Mit einem Klick bringen Sie den Text auf lesbare Größe

Die rheinischen Marx-Brothers "Fritz und Hermann" zelebrieren Kabarett mit Tiefgang!

Warum lange darum herum reden: Das Publikum war begeistert von den rheinischen Marx-Brothers. Rainer Pause und Norbert Alich alias ?Fritz und Hermann? zeigten auf der "KiR-Bühne" Kabarett mit Tiefgang und allem, was dazu gehört: intelligente, pointenreiche Wortbeiträge, Monologe, Dialoge, Chansons, Schlager, Marschmusik - Satire bis hin zum schwarzen Humor.

 Die beiden Stars des Pantheon-Theaters in Bonn bewiesen einmal mehr dass unterhaltsames und intelligentes Kabarett sich nicht ausschließen sondern einander bedingen. Und so boten sie an diesem Abend auf der KiR-Bühne einen Parforceritt durch das 19., 20. Und beginnende 21. Jahrhundert von der Kolonialgeschichte bis hin zur Galionsfigur der Tabakindustrie: Helmut Schmidt.

 Was da an ?Fetzerei? zwischen den beiden älteren Herren von der Rampe kam, war wahrlich kein Klamauk sondern hintergründiges Kabarett, das vom Publikum ein breites politisch-geschichtliches und gesellschaftliches Wissen forderte, um die dicht aufeinander folgenden satirischen Trefferzahlen erfassen zu können. Apropos ?Fetzerei?: oftmals hatte man des Gefühl ?Fritz? (Rainer Pause) würde ob seiner Dispute mit ?Hermann? (Norbert Alich) gleich platzen, so sehr schwellte die Halsschlagader an und der Kopf verfärbte sich im revolutionärsten Rot. Richtig gut und herrlich bescheuert waren die passionierten Streithähne ?Litzmann und Schwaderlappen? auch in Rheinstetten vor allem dann, wenn sie sich heillos in den Schlingen ihrer eigenen Gedanken verfangen hatten, sich beschimpften, um dann doch wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren und eine treffsichere Pointe zu setzen.

 Die legendäre Streitlust der beiden WDR-Kabaretturgesteine, gepaart mit Spitzfindigkeiten, die ihresgleichen suchen, und die Songs, die den inhaltlichen und den musikalischen Funken überspringen lassen, waren auch auf der KiR-Bühne signifikantes Markenzeichen von ?Fritz und Hermann?. Egal ob es um die Auseinandersetzung mit Krieg, Feminismus, Versagen der 68er, Altersfitness oder schlicht um aktuelle Politik ging ? der Finger lag immer in der Wunde unserer Gesellschaft.

 Bemerkenswert war auch die Dramaturgie des Abends, denn das Publikum wurde nicht mit einem unverbindlichen Brüller in die Pause geschickt, sondern mit viel Stoff zum Nachdenken. Politisch-sprachlich völlig unkorrekt stellten Pause und Alich die europäische und deutsche Kolonialgeschichte am Beispiel des ?Nicknegers? dar, zeigten Verantwortlichkeiten auf und öffneten die Augen: ?Wir retten ein Kind vor dem Verhungern, damit es 30 Sekunden später an Aids stirbt!? Oder als sie ihre Sichtweise auf die großen Charismatiker aus Vergangenheit und Gegenwart darlegten, wurde manchem klar, wie eingeschränkt und manipulierbar unser Blick auf Personen und Ereignisse ist. Denn wäre beispielsweise der Dalai Lama nicht von den Chinesen aus Tibet vertrieben worden, wäre dieser ?absolutistisch regierende Fürstbischof heute sicher ein Fall für amnesty international und kein Symbol des Friedens?.

 Wichtiger Bestandteil des Gesamtprogramms waren auch die Songs, bei denen ?Fritz und Hermann? sich als tolle Musiker und Sänger erwiesen. Wunderbar bösartig und schwarz auch die Schlusszugabe, die ?Hymne auf den Rhein?, die wie für badische Ohren geschaffen war: Der Rhein verschmäht den Neckar, weil er aus Schwaben kommt!

 

... und das schrieb Lukas Hollerbach am 29.9.2008 in den BNN:

Klicken Sie auf den Text, damit er lesbar wird.

Piraten der Havana Coastline enterten die KiR-Bühne

?Karibische Nacht? im Mörscher Schulzentrum? Manch einer fragte im Vorfeld: Geht das überhaupt? Wo soll da die notwendige Atmosphäre herkommen? Doch wer am Freitagabend die Aula betrat, nahm erstaunt zur Kenntnis: Es geht! Denn ?floralive?, die Erlebnisgärtnerei von Joachim Pierza, hatte die KiR-Bühne in eine kubanische Fischerhütte verwandelt, in der Aula wuchsen Palmen und die gut gekühlten und gemixten Getränke servierte die Soli-Jugend aus einer jamaikanischen Strandbude. Da lag ein Hauch Lateinamerika in der Luft und der Groove der Karibik konnte seine Wirkung entfalten, so dass sich, wer wollte, von Monika Schneider und ihrer Reiseagentur den nächsten Trip in die DomRep oder nach Martinique schmackhaft machen lassen konnte.

 

Als Christoph Lembach die ?karibische Urlaubsgesellschaft? begrüßte, war noch nicht sicher, ob der Rhythmus-Virus Lateinamerikas und der Karibik auch auf das Rheinstettener Publikum übergreifen würde. Aber sehr bald zeigte sich die hohe Ansteckungsgefahr, so dass es der buntgemischten multinationalen Gruppe "Havana Coastline" ein Leichtes war "Karibik-Feeling" zu erzeugen. Alle Rhythmen Lateinamerikas wurden von den Piraten der Havana Coastline eingesetzt, um die KiR-Bühne unter ihre Herrschaft zu bringen. Ob Merengue, Salsa, Zouk, Cumbia, Soul, Samba oder Reggae ? alles war erlaubt, um das Publikum von der Vielfalt und Musikalität, vom Lebensgefühl, schwankend zwischen Trauer und überschäumender Freude, der Karibik zu überzeugen. Das gelang den Akteuren auf der Bühne überaus authentisch ? schließlich stammt ein Großteil der Havana-Besatzung aus eben diesen lateinamerikanischen Ländern. Auch bei den etwas Älteren im Publikum konnte man feststellen, dass ganz allmählich der Funke übersprang, auch wenn sie nicht tanzten wie die Jüngeren, so war doch das rhythmischen Zucken der Füße zu sehen, das Schnippen der Finger ? der Rhythmus Lateinamerikas hatte Besitz ergriffen!

 

Nach der Pause kam dann kurzzeitig die Rückkehr auf den europäischen Kontinent: mit Elias F. Gomez hatte ?Havana Coastline? einen Gaststar mitgebracht. Der Leadsänger der spanischen Gipsy Flamenco Gruppe ?Macarena?, der auch schon mit den weltberühmten Gipsy Kings gespielt hat, brannte ein Feuerwerk spanischer Gitarren- und Sangeskunst ab, das die argentinische Sängerin Leila Riva, der Puertoricaner Danny Hernandez oder Robert Wilson aus San Diego und die übrige Stammbesatzung der Havana-Crew mit ihrem Band-Leader Thomas Kennel dann in ihrem karibischen Teil mühelos fortsetzten.

 

Sollte eine Beurteilung des gesamten Abends abgeben werden, so könnte man zitieren, was eine Besucherin beim Verlassen der ?Karibischen Nacht? mit Blick auf ihren daheimgebliebenen Ehemann sagte: ?Selber Schuld! Mir hat?s ganz toll gefallen. So was könntet ihr mal wieder veranstalten!? Und die Freundin ergänzte: ?Das war Gute-Laune-Musik so richtig zum Start ins Wochenende.?.

 

Havana Coastline...
enterte die KiR-Bühne...
in Rheinstetten

...und das schrieb Holger Schorb am 3. Juni 2008 in den BNN:

Klicken Sie auf den Artikel = lesbare Größe

Schwäbischer Mundartdichter trifft südpfälzische Liedermacherin

Das als ?Begegnung der Kulturen? angekündigte Bühnentreffen der südpfälzischen Liedermacherin Traudel Kern und des schwäbischen Mundartdichters Johann Martin Enderle alias Dieter Adrion entpuppte sich als eine recht abwechslungsreiche Abendunterhaltung. ?Die Beiden sind eine gute Mischung?, so die Resonanz des Publikums am Ende der Veranstaltung.

 Traudel Kern, aus dem südpfälzischen Offenbach stammend, ging herzlich und sehr direkt auf das Rheinstettener Publikum zu, so als wolle sie den ganzen Saal umarmen und der fand Gefallen an dieser Herzlichkeit, stimmte mit ein in die Liebeserklärung an Traudel Kerns Heimatort (?Vorne o un hinne ach, des isch Offebach?), ließ sich schmunzelnd die Eigenheiten pfälzischer Mundart erklären (?der Bäcke Kurt und ich hän des bräde ää?) oder genoss den Pfälzischen Tango vom ?Schärzesäck? und den Problemzonen-Blues. Richtig politisch wurde die Liedermacherin beim Titel ?Als druff?, in dem sie sich kritisch mit der Modernisierung ihres Dorfes, der Zersiedelung und dem Landverbrauch auseinander setzte, um schließlich anzumerken: ?Do muss mr dorch, des geht vorbei!? Was sich allerdings nicht auf die lokale Politik bezog, sondern auf die Mundart, die für Fremde oft ein Buch mit sieben Siegeln bleibt, obwohl sich Traudel Kern redlich mühte durch ihren ?Pälzischen Sproochkurs? Licht ins Dunkel der grenzüberschreitenden Kommunikation zu bringen.

 Johann Martin Enderle, der schwäbische Mundartdichter und würdiger Nachfolger Thaddäus Trolls, ging, sprachlich brillant, genau auf diese Eigenheiten ein. Er verdeutlichte die Schwierigkeiten für Norddeutsche an der Bedeutung des Wortes ?heben? im Schwäbischen. Die Aufforderung ?heb die Leiter? kann unversehen im Krankenhaus enden oder bei stürmischem Wetter der Ausruf ?heb dein Rock? durchaus als sexistische Anmache missverstanden werden.

 Die erneute Einladung nach Rheinstetten kommentierte Enderle mit der Vermutung, die KiR-Macher hätten wohl nach der badischen Maxime gehandelt: ?Wo en Schwoob schwätzt, lached d?Leit!? Und je mehr der glänzend aufgelegte intime Kenner des schwäbischen Idioms seine Geschichten und Gedichte ausbreitete, desto mehr bewahrheitete sich seine Vermutung; vom leichten Schmunzeln bis zum schallenden Gelächter ließ sich das Publikum hinreißen, zumal Enderle noch darauf hinwies, wie teuer ansonsten die Plätze in den großen Bühnen und Hallen des Landes seien, in denen Kultur geboten werde: ?Sie lached bei KiR preiswerter!? Übrigens: preiswert ? natürlich kamen mit Frau Eberle-Knapp und Frau Berta Huschele auch die idealen Vertreterinnen des Stuttgarter Raumes vor, die so ganz dem badischen Schwabenbild entsprachen: geizig und kniggerig!

 Sprachlich großartig, mit vielen überraschenden Wendungen aber doch nachvollziehbar an der Wirklichkeit orientiert Johann Martin Enderles Darstellung der einzig wichtigen modernen Schlüsselqualifikation: ?Drufdrucke?. Nur eines müsse der heutige Mensch wirklich beherrschen, um das Leben meistern zu können, zur richtigen Zeit auf den richtigen Knopf drücken, ansonsten stehe man ziemlich dumm da.

 Den krönenden Abschluss eines Abends, der auch für badische Ohren ein Genuss war, bildete dann Enderles ?Elegie vom Spätzle uf em Seier?, in der er in großartiger Weise die Ängste einer schwäbischen, handgeschabten Spätzle wiedergab und überschwänglich deren Vorzüge pries, ehe sie in den Tiefen eines württembergischen Schlundes verschwand.

 

... hier ein paar Bilder des Mundartabends

Andreas Rebers: Die Welt ist eine rutschende Hose!

Als Christoph Lembach die Besucher in der Aula des Schulzentrums zum Kabarettabend mit Andreas Rebers begrüßte, kannte er Frau Hammer noch nicht. Oder kennen Sie Frau Hammer geschiedene Sichel? Nein? Dann sollte sie mal Hausmeister Rebers fragen. Aber Vorsicht ? allein bei dem Gedanken an diese Frau mit ihrem ?alleinerziehenden Sohn? geht der passionierte Fliesenleger in die Luft.

Die Gäste der KiR-Bühne konnten diese emotionalen Ausbrüche erleben und zwar mit sicht- und hörbarem Vergnügen. Denn oben auf der Bühne steht ein Absolvent der Braunschweiger Hochschule für ?Haus- und Schulmeisterei? mit dem Nebenfach Blockwart, der in seinem 20-minütigen Studium gelernt hat, dass die Lösung gut, aber das Problem falsch ist! Dieser diplomierte Haus- und Hofmeister setzt die äußere Ordnung gegen das innere Chaos, singt seltsam verquerte neue Arbeiterlieder zum Polka tanzen und marschieren, kämpft gegen die Widerigkeiten des Lebens und bedient sich dabei aller Klischees, Vorurteile und Stammtischweisheiten ? allerdings: ganz nebenbei streut er Teilworte, Halbsätze ein, die das Lachen im Halse stecken lassen und die zielgenau die deutsche Befindlichkeit offenbaren oder ganz im Sinne Reberscher Logik: Idealist plus Patriot gleich Idiot!

Stauen allenthalben, wenn Rebers seine an Freud angelehnte Psychologie verbreitet und erklärt, der Deutsche zerfalle in drei Teile: das Ich, das Überich und das Untermir. Dazu komme, was die SPD derzeit beweise, eine vierte Dimension, das Außersich. Auch das, so Rebers, werde wieder besser: ?Nennen wir den Kurt Knut, dann wird alles wieder gut!?

Ganz schlimm wird es für den Hausmeister, wenn einer seinen Porsche einfach in seiner Hofeinfahrt abstellt und sagt: ?Ich dachte, das sei ein Parkplatz?. Aber viele Dinge, die so nebenbei getan und gesagt werden, werden einfach falsch beurteilt und wenn jemand einen Satz mit ?Ich dachte ?? beginnt, ist er eigentlich schon verdächtig und hat verloren. So ganz nebenbei stellt Rebers die Frage, wie ein Volk, das bei RTL Bohlens Superstar wählt, geistig in der Lage sein soll, die Regierung zu wählen. Für ihn ist die Welt eine rutschende Hose, die er sich auf der Bühne zweihändig immer wieder über die Hüfte ziehen muss.

Wenn Rebers zum Akkordeon greift, wird er genial, denn er ist ohne jede Übertreibung ein wahrer Meister dieses Instruments ? vor allem links. Und wenn er die Tasten des Flügels berührt, um Liebeslieder zu spielen, wird es ganz still im Saal, damit auch jeder den inhaltsschweren Text verstehen kann: ?Josef Ackermann?.

Übrigens: der Diplom-Blockwart Rebers hat auch das Publikum der KiR-Bühne erzogen. So ganz nebenbei zeigt er, was die deutsche Tugend Pünktlichkeit bedeutet: Wenn 20 Minuten Pause angekündigt sind, dann sind es eben 20 ? keine mehr und keine weniger. Und so steht Andreas Rebers auf der Bühne, beginnt den 2. Teil des Programms, während ein Teil seiner Zuschauer hastig den letzten Schluck Pausensekt trinkt und verschämt die Plätze aufsucht. Wie gesagt ? so ganz nebenbei weiß Rheinstetten jetzt, warum dieser Andreas Rebers den Deutschen Kleinkunstpreis 2007 zu Recht erhalten hat!

Andreas Rebers auf der KiR-Bühne:

Andreas Rebers auf der KiR-Bühne:

Thomas Zimmer schrieb am Samstag, 15.3.2008 über das Rebers-Gastspiel  folgendes in den BNN:

Klicken Sie auf den Text, um ihn zu vergrößern

Helmut Schleich auf der KiR-Bühne: Von der Privatisierung der Deutschen Sprache

Auf der Rheinstettener "KiR-Bühne" schoss ein Angsthase zurück: In einem wahren "Mutanfall" führte der Kabarettlaie Max durch den Abend und Angstmachermeister Flügel durch einen Urwald voller Ängste und Psychosen. Dass dabei das Schleichsche Typenkabarett mit teilweise obskuren Charakteren im Mittelpunkt stand, versteht sich von selbst.

Eigentlich sollte es kein politischer Kabarettabend werden, denn ? so das Eingangsstatement des bayrischen Gastes ? führte ein blutiger Kabarettlaie namens Max Max durch das Programm, dessen einzige Qualifikation darin bestand, Franz Josef Strauß parodieren zu können, was er aber letztendlich nie ernsthaft unter Beweis stellte. Ihm zur Seite gesellten sich in einer zum Teil aberwitzigen Abfolge Typen der absonderlichsten Art wie Kack van Houten, um von ihren Ängsten zu berichten. Angstmachermeister Flügel, Spezialist für Ängste aller Kategorien, und seine österreichische Verwandte Anna Lyse machten das Publikum unter anderem mit Oscar bekannt, dessen Traumangst ihn zum Dauerwachsein verdammte. Als er im Zuschauerraum auf Schlangensuche ging, verbreitete sich jedoch statt Angst nur Gelächter ob der Staubschwaden, die von den Bühnenscheinwerfern auf die Köpfe der Zuschauer herniederschwebten. Der Gag war genial: Helmut Schleich hatte nichts dem Zufall überlassen und das Mehl vorher gezielt platziert!

So richtig in Rage kam ?die bayrische Rampensau?, wie ihn OB Christian Ude bei der Verleihung des Kabarettpreises der Stadt München bezeichnete, bei seinen Neid- und Hassanfällen auf die Zumwinkels und Lichtenstein-Stiftungsinhaber dieser Welt. Aber wie gesagt, es sollte ja kein politischer Kabarettabend werden. Deshalb spielte er auch perfekt die Leiden eines Zahnarztpatienten, der den Arzt zur Verzweiflung bringt und sich nun in Eigenbehandlung begeben muss. In diesem Zusammenhang verdeutlichte der Kabarettist auch seine Ansicht über die Fehlkonstruktion des Menschen: manche Organe und Glieder habe man unnötigerweise mehrfach, während andere nur einfach vorhanden seien. So könne der Bayer durchaus auf eine Niere verzichten und an deren Stelle sollte er mit zwei Lebern ausgestattet werden. Auch die zehn Zehen könne man auf zwei große reduzieren und dafür jeden Menschen mit zehn Hirnen ausrüsten. Was das eine Hirn nicht weiß, ist vielleicht dem anderen bekannt.

Großen Raum nahm Angstmachermeister Flügels Abhandlung über die Privatisierungs- und Globalisierungswelle ein. So stellte er fest, dass die Bundesregierung gerade dabei sei, ein Gesetz zur Neuregelung des deutschen Sprachgebrauchs vorzubereiten: Nach der Deutschen Bahn, der Deutschen Post werde nun auch die Deutsche Sprache privatisiert. Wer ganz bestimmte Wörter in Zukunft benutze, müsse Sprachbenutzungssteuer bezahlen. So gehöre das Wort ?hoffentlich? dem Allianz-Konzern und werde von diesem nach rein betriebswirtschaftlichen Grundsätzen behandelt: "Was brauchen wir Doppelkonsonanten, die werden wegrationalisiert und freigestellt!?

Der Abend auf der ?KiR-Bühne? hat einmal mehr Helmut Schleich als den Erfinder des modernen Typenkabaretts gezeigt, der  mit großer Verwandlungsfähigkeit und punktgenauer Körpersprache eine bizarre Assoziationskette rund um das Angst-Hasen-Herz entwirft.

... und Holger Schorb schrieb am 18. Februar 2008 in den BNN:

zum Vergößern anklicken