Wir waren 2009 bei "KiR":

Matthias Deutschmann
Gerlinde Hämmerle
Thomas Liebscher
TOPAS
Thomas Freitag
Die Füenf

Die FÜENF: Erst nach der vierten Zugabe war Feierabend!

Zum Abschluss des Kleinkunstjahres stand mit den ?füenf? noch einmal eine Gruppe auf der KIR-Bühne, die das Publikum mit ihrem ?acapollapep? zu langanhaltendem Applaus veranlasste und die Lust auf mehr machte.

 

Gleich zu Beginn überzeugten Justice, Pelvis, Memphis, Karuso und Bass Spencer ? so die Künstlernamen der fünf A-cappella-Künstler ? mit ihrem Ernährungsmedley das Publikum von ihren Stimmen und ihrem Humor.

 

Steaks in Schuhsohlenqualität, pürierter Brokkoli und ihr klares Bekenntnis zu einem saftigen Schnitzel, zeigten den eingefleischten Vegetariern im Publikum schnell, dass hier kein Grünkernburger zu holen war.

 

Aber nicht nur die ?Mörder unschuldiger Sauerstoffproduzenten? bekamen ihr Fett weg, auch der Straßenmusikant (der besser da singen sollte, wo ihn keiner hört), die große Familie der Zahnmediziner, die an jeder Brücke ordentlich Asche verdienen, oder gar die Taliban in ?Kabuff?, also Kabul, bekamen ihren musikalischen Teil ab.

 

Mit ?Umdrehen brinx nix? setzten die ?füenf? der jahrzehntelangen erfolgreichen Arbeit von Roger Whittaker ein ?Denkmal?. Dessen Übersetzer wurde mit jugendlichen 96 Jahren heimgerufen und ließ nun Roger ohne Deutschkenntnisse hier zurück. Die tragischen Folgen dieses natürlichen Prozesses kommentierten die ?füenf? in der Erstveröffentlichung eines der vielen, zurecht abgelehnten, selbst übersetzten Songs von Roger Whittaker.

 

Ein weiterer Höhepunkt war mit Sicherheit die Erkenntnis der ?füenf? und die daraus folgende musikalische Umsetzung, dass Lieder vor allem dann erfolgreich sind, wenn das Wort ?love?, also die Liebe, darin vorkommt. In einer logischen Konsequenz haben die ?füenf? daher dieses Wort in einem bunten Medley zeitgenössischer Musik durch ?Horst? ersetzt, um damit den gleichen Erfolg zu haben, wie vor ihnen die Beatles, Michael Jackson oder Steve Wonder. Folge dieses Irrglaubens waren Lieder wie ?All you need is Horst?, ?I just call to say I Horst you? oder ?Caravan of Horst?. 

 

Mit ihren selbst komponierten Songs aber auch mit textlich neu ausgestatteten Klassikern und Ohrwürmern ernteten die fünf Jungs aus dem Großraum Stuttgart ein ums andere Mal Lacher auf Lacher. Aber nicht nur mit ihren Texten überzeugten die ?füenf?, auch die Stimme jedes einzelnen Bandmitgliedes rief beim Publikum Bewunderung hervor.

 

Angesichts dieser Wirkung durften sich die fünf Musiker nicht wundern, dass es nicht bei einer Zugaben bleiben konnte. Mit einer an gregorianische Gesänge angelehnte Version des Sommerhits ?Macarrena? und ihrer bekannten Schwaben-Hymne ?Mir im Süden? schlossen die ?füenf? diesen letzten Abend im KIR-Jahr ab und machten damit bestimmt Lust auf das Kabarettjahr 2010.

 

 

...und das schrieb Holger Schorb über das Konzert in den BNN:

Am 16. 11. 2009 erschien die oben stehende Konzertkritik in der Ettlinger Ausgabe der BNN (Bringen Sie den Text mit einem Klick auf lesbare Größe):

 

 

Thomas Freitags "Angst der Hasen": ein echter Volltreffer!

Thomas Freitag erklärt die westliche Zivilisation und die deutsche Kultur auf der KiR-Bühne

 

 

Es ist ein schwieriges Thema, dem sich der bekannte Kabarettist Thomas Freitag in seinem aktuellen Programm stellt. Er erklärt seinem Publikum die westliche, die deutsche Kultur. Genauer: ?Die Angst der Hasen? ist eine Videobotschaft an Al Quaida, um diese davon zu überzeugen, wie unnötig terroristische Drohungen sind. Denn wir ruinieren uns, so gut es geht, selbst.

 

Um sein Publikum auf dieser hintergründigen und nachdenklichen Reise nicht zu verlieren, gönnt er ihm auch Erholungspausen ? comedyhafte Einstreuungen, lustige Nichtigkeiten, die zwar die Lachmuskeln reizen, aber das Hirn kurzfristig entlasten, um es für neue, nachdenkliche Programmabschnitte bereit zu machen. Dramaturgisch geschickt baut Thomas Freitag diese scheinbar belanglosen Lach-Schnipsel ein und verstärkt so die Wirkung seiner teilweise philosophisch-aufklärerischen Anmerkungen.

 

Thomas Freitags Programm ist eine geschlossene Einheit. Er zeigt seinem Publikum die Schwächen unserer Kultur und Zivilisation. Die handelnden Politiker und Wirtschaftsführer entpuppen sich immer wieder als Spiegelbild unserer Gesellschaft. Am deutlichsten wird dieses Zerrbild der Wirklichkeit in Freitags Rentnergeschichte. Voller Euphorie und Pläne startet der in den Ruhestand, um dann binnen Jahresfrist unrasiert und in verbeulten Jogginghosen als schlurfende, traurige Gestallt zu enden.

 

Einfach unnachahmlich ist der Kabarettist, wenn er seine Parade der Politiker auftreten lässt. Wenn Freitag parodiert, wenn seine ?Bundestagsdebatte? läuft, schließt man am besten die Augen und es erscheinen Merkel, Stoiber, Ulla Schmidt und all die anderen Politgrößen. Sie stehen tatsächlich auf der Bühne ? hautnah ? unverwechselbar mitten in der Aula des Mörscher Schulzentrums.

 

Ach ja ? wenn man wissen will, wie Thomas Freitag beim Publikum der KiR-Bühne in Rheinstetten angekommen ist, sollte man dieses nicht unmittelbar nach der Vorstellung befragen, sondern ?die Angst der Hasen? wirken lassen und erst am nächsten oder übernächsten Tag nachfragen, um festzustellen, wie sehr die Zuschauer es genossen haben und immer noch genießen. Thomas Freitag, so erhält man als Antwort, habe seine ganze Klasse gezeigt, keine Minute habe er vergeudet, sondern sein Publikum im wirklich guten Sinne unterhalten. Das war Kabarett, wie es sein soll: Unterhaltsam, schnell, treffend! Zweieinhalb Stunden zum Genießen, Nachdenken und Ablachen.

 

...und das schrieben die BNN am 10.10.09 über das Gastspiel von Thomas Freitag:

Klicken Sie auf den Bericht, um ihn zu vergrößern

TOPAS bringt die KiR-Bühne "außer Kontrolle"

Der Publikumsliebling der SWR1-Siegertour 2007 war zurückgekehrt und er machte genau das, was von ihm erwartet wurde: Topas verzauberte alle und brachte die KiR-Bühne mit seinen Darbietungen ?außer Kontrolle?!

 

Der zweifache Weltmeister der Zauberkunst ist zwar auf allen großen Varietè-Bühnen dieser Welt in Monte Carlo, Las Vegas oder Tokio zu Hause, aber so richtig wohl fühlt er sich auch auf den Kleinkunstbühnen der Region mit seinem Comedy-Solo ?Gerät außer Kontrolle?. Mit seiner bunten Mischung aus Zauberei, Blödelei, Parodie und Geräuschimitation bringt er sein Publikum in Verzückung und beschert ihm einen äußerst vergnüglichen Abend.

 

Topas nimmt seine Themen mitten aus dem prallen Leben: bei seiner ?Drive-in?-Nummer fühlen sich einige an ihren jüngsten abenteuerlichen Besuch im weltbekannten Fast-Food-Lokal erinnert, denn auch ihr Kampf mit der Sprechanlage am Bestellschalter könnte sich genau so zugetragen haben. Oder die tägliche häusliche Auseinandersetzung mit den Blumen: ?Sprechen Sie auch mit Ihren Pflanzen? ? Meine Tante tut?s auch und sie schwört darauf, dass drohen hilft!?

 

Thomas Fröschle alias Topas spielt mit seinem Publikum und er lässt es Teil seiner Show werden. Er bietet Mitmach-Comedy und Mitmach-Zauberei, ohne seine Hilfen aus dem Publikum bloßzustellen. Obwohl man bei der KiR-Bühne hautnah am Geschehen ist, fragen sich an diesem Abend viele: ?Wie hat er das gemacht?? Da zertrümmert Topas vor den Augen des Publikums das Handy der jungen Vanessa, die zwar weiß, dass da ein Zauberer am Werk ist, deren Gesichtszüge aber immer mehr vor Schrecken erstarren, als Topas ihr Handy mit Schraubenstock und Hammer zu Leibe rückt. Alle wissen zwar, was geschieht, aber die Illusion ist perfekt.

 

Absolut unerklärlich bleibt auch das ?hawaiianische Orangenwunder?. Über eine Entfernung von gut fünf Metern gelangt aus einer vollkommen einwandfreien Orange deren Saft in ein Glas. Besonders Wissbegierige aus dem KiR-Team greifen sich deshalb das noch halbvolle Glas nach der Vorstellung, um es zu spülen. Aber auch die dabei durchgeführte gründliche Untersuchung bleibt ohne Befund. Es ist ein absolut normales Glas ohne doppelte Wand oder sonstigem Blendwerk. Topas liefert die perfekte Zauberei!

 

Von besonderer Güte sind jedoch seine Parodien. Ob als gefeierter Startenor mit seinem ?Medley von Großer Oper bis Ballermann? oder als Schlagerstar, das Publikum ist begeistert. Wobei Howard Carpendale in Gebärdensprache wirklich der absolute Gipfel ist, eine Meisterleistung der Parodie. Wie Topas die ?Spuren im Sand? verwischt und Howies Welt in Originalzitaten erklärt, lässt Tränen in die Augen schießen und erschüttert Zwerchfelle zuhauf. Da gerät die KiR-Bühne dann tatsächlich ?außer Kontrolle? und Topas Gästebucheintrag wird zu keiner Bedrohung sondern zu einem Versprechen: ?Ihr könnt euch nicht dagegen schützen, dass ich wiederkomme!?

 

... und das schrieb Holger Schorb am 27. April 2009 in den BNN über den Abend mit Topas:

 

Mit einem Maus-Klick bringen Sie den Text auf lesbare Größe

Thomas Liebscher: "Forchheim ist schon ziemlich mörsch"

Mundart-Lesungen erfordern eine ganz besondere Art von Publikum: Menschen, die genau hinhören, was gesagt wird, und die die feinsten Klangnuancen einer Sprache zu unterscheiden wissen. Menschen, die die ?Rampensau? Hurstscher Prägung ebenso zu schätzen wissen wie die eher zurückhaltende Art eines Thomas Liebscher. Denn bei der jüngsten Veranstaltung stand keine ?Rampensau? auf der KiR-Bühne sondern ein Autor, der den Menschen zuhört und ganz genau ?aufs Maul schaut?.

 Thomas Liebscher überraschte sein Publikum mit kleinen sprachlichen Feinheiten, mit zufällig gehörten Volksweisheiten, unfreiwillig komischen Äußerungen, aber auch mit kunstvoll konstruierten Geschichten rund um den Großraum Karlsruhe.

 Besonders gut kamen Liebschers ?Ufschnapsel? an, zufällig dahingeworfene Zweizeiler, die erst durch die Mundart so richtig schön, aber auch komisch oder gar entlarvend werden: ?Heit isch en Dag zum Umdausche, ich hab bloß de Kassezettel net debei.? Oder die Anmerkung zu einem Pflichtbesuch: ?Dere schenke mer koin Blumestock. Die kriegt en Strauß, weil der schneller kabuttgeht.?

 Wohl wissend, dass sich die KiR-Bühne in der Heimatstadt der deutschen Hochburg einer ganz speziellen Sportart befindet, trug Thomas Liebscher auch sein Gedicht über den ?Fußball ufm Motorrad? vor, das in der Erkenntnis gipfelte: ?am beschde isch Motoball, wenn?s regent un de Dreck spritzt, de Schiedrichter in weiß anfängt und schwarz ufheert!? Richtig aufschlussreich war auch Liebschers Schilderung  eines Pralinenliebhabers, der mit der Vielfalt des Konfekts in der Schachtel zu kämpfen hat: ?Moine die Hersteller vielleicht, mer lernt die zwölf Sorte un ihre Bilder ausewennig, damit mer gut vorbereit neilange kann??

 Höhepunkt der Lesung war sicherlich die kunstvoll konstruierte Ortsgeschichte aus dem Raum Karlsruhe. In dem ?Hochwasser? überschriebenen Text gelang es Liebscher nahezu alle Ortsnamen des Landkreises unterzubringen und so neu zusammen zu setzen, dass eine unverwechselbare, auf die Region bezogene wunderbare Sprachkomposition entstand: ?Große Schäden gab?s im Süden des Landkreises: Forchheim ist schon ziemlich mörsch und bei Ettlingen müssen manche im Bruch hausen.?

 Neben dem mehrfach preisgekrönten Thomas Liebscher stand Steffen Müller erstmals im Rampenlicht der KiR-Bühne. Dem jungen, unmittelbar vor der Mittleren Reife stehenden Pianisten gelang eine beachtenswerte Premiere. Souverän entführte er das Publikum in die unterschiedlichsten Räume der Klavierwelt: von der Klassik bis zur Filmmusik, vom ?Kleinen grünen Kaktus? über den ?Entertainer? und den ?Pink Panther? bis hin zur abschließenden Eigenkomposition ?Happy End?. Zu recht wurde Steffen Müller für seine Leistung mit langanhaltendem Beifall belohnt. Denn, wie Thomas Liebscher anmerkte, war es dem jungen Musiker gelungen, die richtige Atmosphäre in die Aula des Mörscher Schulzentrums zu zaubern, die eine Mundart-Lesung benötigt, um beim Publikum nachhaltig zu wirken.

Gerlinde Hämmerle begeisterte mit Erich Kästner das Publikum der KiR-Bühne!

?Leben und leben lassen" so war der Erich-Kästner-Abend überschrieben, den Regierungspräsidentin i.R. Gerlinde Hämmerle gemeinsam mit der "Combo Symbadico", der Musikgruppe des Regierungspräsidiums Karlsruhe, auf der KiR-Bühne im Großen Saal des Zentrum Rösselsbrünnle zelebrierte!

 Der eher ungewöhnliche Ort war dem eigentlichen Sinn und Zweck der Veranstaltung geschuldet, sollte doch mit dem Erlös des Abends die Diakonie bei ihrer Arbeit mit altersdementen Menschen unterstützt werden. Es war in der Tat eine grandiose Vorstellung, die ein weiteres Mal das rhetorische Talent Gerlinde Hämmerles bewies.

 Aus ihrem Munde Kästners Texte zu erleben, war ein Genuss, zumal Erich Kästner auch 35 Jahre nach seinem Tod nichts an Aktualität eingebüßt hat. Viele seiner Gedichte, Epigramme und Texte ließen sich ohne große Schwierigkeiten auf die aktuelle Situation in Politik und Gesellschaft übertragen. So war an diesem Abend vieles aus Kästner-Hämmerles Mund zum Schmunzeln, zum Lachen aber auch zum nachdenklich Werden.

 OB Schrempp, der wegen des Großbrandes in Forchheim verständlicherweise erst kurz vor der Pause den Saal betrat, wurde von Gerlinde Hämmerle freundlich begrüßt und gleichzeitig gewarnt, da sie nach der Pause etwas sagen wolle, das auch auf ihn zutreffe. Und so kam es denn auch: Erich Kästner schrieb durch Gerlinde Hämmerles Mund der politischen Führung und allen, die in der Öffentlichkeit stehen, Grundsätzliches ins Stammbuch:?Was auch immer geschieht: / Nie dürft ihr so tief sinken / von dem Kakao, durch den man euch zieht, / auch noch zu trinken.?

 Im Verlauf des Abends entstand durch Gerlinde Hämmerles Talent ein lebendiges Bild ihres Lieblingsschriftstellers. Seine Prägung durch den 1. Weltkrieg, durch Weltwirtschaftskrise und Nationalsozialismus wurden ebenso deutlich wie seine Meinung zu Kultur und Bildung und Kästners besondere Art der Alltagssatire.

 Unterbrochen wurde Gerlinde Hämmerles Ausführungen durch die ?Combo Symbadico?, die passend zu den Schaffensphasen Kästners die Zuhörer mit zeitgemäßer Musik unterhielten, die vom ?Original-Charleston? über Kurt Weills ?Haifisch-Song? bis zu ?Chattanooga choo choo? reichte und mit einem Abba-Medley in der Gegenwart landete.

 Am Ende des Abends konnte ein begeistert applaudierendes Publikum nicht nur erfreut sein über einen gelungenen literarischen Abend, sondern auch über sich selbst, denn mit Hilfe seines Eintritts konnten Ehrenbürger Kurt Roth und Regierungspräsidentin i.R. Gerlinde Hämmerle einer sichtlich erfreuten Leiterin des ?Zentrum Rösselsbrünnle, Maren Ladow-Hollstein einen Scheck in Höhe von ? 1000,- für demenzkranke Menschen überreichen.

 

Gerlinde Hämmerles Begleiter: Die Combo Symbadico

Matthias Deutschmann spielte Kabarett der anderen Art und auf anderer Ebene!

Matthias Deutschmann, eines der Urgesteine des deutschen Kabaretts, gastierte mit seinem Programm ?Die Reise nach Jerusalem" auf die KiR-Bühne. Das war nicht nur ?Kabarett zwischen allen Stühlen", es war Kabarett der anderen Art und auf anderer Ebene.

 Wer einen ?Ablach-Abend? erwartet hatte, wurde jäh enttäuscht. Denn was Matthias Deutschmann bot, war tiefgründig. Es erforderte ein äußerst flexibles und historisch-gesellschaftspolitisch gebildetes Publikum, dem es nicht so sehr auf die schnelle Pointe oder gar den billigen Kalauer als vielmehr auf die treffende satirische Aussage ankommt. Ja ? ?die Reise nach Jerusalem? war schwere Kost, zur Berieselung vollkommen ungeeignet, aber zum Mitdenken, zum Sich-empören, zum Widersprechen oder Zustimmen ein erstklassiges Menü.

 Wer das Publikum der KiR-Bühne genau beobachtete, konnte erahnen, was in vielen Köpfen vorging: Kann ich da lachen? Darf das Kabarett dieses Thema behandeln?

Matthias Deutschmann fand die treffende Erklärung: Das Kabarett darf, ja es muss genau solche Themen aufgreifen, sie zum Teil überzeichnen, um sie seinem Publikum bewusst zu machen. Er nannte das ?Consulting?. Dass dabei keine karnevalistische Stimmung aufkommt, ist dem Künstler in jeder Phase seines Programms bewusst: ?Ich kenne das Loch, in dem Sie sich jetzt befinden. Ich habe es schließlich selbst für Sie gegraben!?

 Wer sich wie Deutschmann kritisch und faktenreich mit dem Nah-Ost-Konflikt auseinandersetzt, rüttelt zwangsläufig an Tabus. Wer sich mit der Hölle beschäftigt, erwartet keine zwerchfellerschütternden Lacher, sondern nachdenkliches Schmunzeln und Erkenntnis.

Dass ab und an auch leichte Kost das Gesamtmenü verträglicher machen, ist Deutschmann bewusst, weshalb er sein Retro-Kabarett über Robert Lembkes ?Was bin ich? einschleust und zu den Jüngeren im Publikum anmerkt: ?Sie können das nicht wissen. Darüber lachen Ihre Eltern. Jetzt haben Sie heute abend noch viel zu googeln!? Oder wenn er, sich fast bei jedem Halbsatz entschuldigend, ein paar lange Blicke auf die 68er wagt, Uschi Obermeier erwähnt, die aber bereits Lichtjahre entfernt ist. Und doch ? so ab und zu entschlüpfen auch Deutschmann Anmerkungen zur politischen Gegenwart, sei es zu Hessen oder zum allgemeinen Zustand der SPD (?Die letzten aufrechten Sozialdemokraten gibt es in Rheinstetten?) oder wenn 20 Jahre nach dem Mauerfall eine Kanzlerin aus der ehemaligen DDR die Deutsche Bank verstaatlicht. ?Wer hat jetzt eigentlich gewonnen?? Oder wenn sie verkündet, 2009 werde das Jahr der schlechten Nachrichten und Deutschmann anmerkt ?Die schlechteste Nachricht wird sein: Merkel bleibt Kanzlerin?.

 Verbunden wurden die einzelnen Teile des Programms durch die musikalischen Anmerkungen des Cellos, das Deutschmann leidenschaftlich gern spielt und durch die feinen, kleinen Spitzen in Richtung Mörscher Bildungszentrum, ?diese Doppelschule mit dem senfgrünen Teppichboden?. Wie schon gesagt: Matthias Deutschmann bot Kabarett zwischen allen Stühlen. Es war Kabarett der anderen Art und auf anderer Ebene!

 

und das schrieb Thomas Zimmer am 26. Januar 2009 über den "Deutschmann-Abend" in den BNN:

Mit einem Klick bringen Sie den Text auf lesbare Größe.