Wir waren 2010 bei "KiR":

Jochen Malmsheimer
Arved Fuchs
Armin Heitz Trio & Andy Wäldele
Simone Solga
Henning Venske & Jochen Busse
Mistcapala

"Mistcapala" bot Persiflage des ganz normalen Alltags

Ja ? es war kein tief schürfendes politisches Kabarett, was die bayrische Gruppe Mistcapala auf der KiR-Bühne bot, es war auch kein a.cappella-Gesang der absoluten Spitzenklasse. Nein ? es war Gesellschaftskritik, die in kleinen, eingestreuten Halbsätzen daher kam, es war ein musikalischer Abend, bei dem wohlgefällige, einfühlsame Melodien plötzlich explodierten, eine völlig unerwartete Wendung nahmen und in einer Eruption von Gelächter endeten. Schlichtweg es war, wie angekündigt, ein ?Herrenabend? der verschrobenen Texte, des trockenen Humors und der exzellent gespielten Musik.

 

Armin Federl, der Kopf von Mistcapala und Akkordeonist, Tobias Klug am Kontrabass, Vitus Fichtl, der Saitenkönig und Tom Hake, der Instrumentaljunkie und das kabarettistische Element der Gruppe offenbarten mit jeder Nummer sowohl ihre musikalische Vielfalt als auch ihr komödiantisches Talaent. Ob es um Frau von Basedows Schoßhündchen Pepita und ihre Begegnung mit dem Husky ging, um eine Grenzkontrolle in der Schweiz, den Musikterror in einem Mietshaus oder die Bewerbung als Goofy-Darsteller in der Disneywelt ? immer wurde daraus rabenschwarzer Humor oder es endete im perfekten Chaos ? Slapstick pur! Zwerchfellerschütternd war die Rap-Nummer über den ?österreichischen Komponisten Peter Hammerschlag? und sein großartiges Werk ?Die Unlustknaben 2010?, mit dem sich der ?gemischte Knabenchor? und der Leder-Guy Tom Hake in die Pause verabschiedeten.

 

Furios Mistcapalas Opening zum 2. Teil des Programms. Ravels Bolero und Armin Federls Frühlingsgedicht zur Eröffnung der Jagdsaison ?Der Hirsch bezahlt die Zeche?. Mit ?Sie hieß Renate? huldigten die Bayern sehr zum Vergnügen des Rheinstettener KiR-Publikums dem Schmusebarden Howard Carpendale und dem Erdmännchen ?Gogolore? setzten sie als Robin Hood vom Ammersee ein musikalisches Denkmal, ehe sie in der Zugabe einen wirklich klugen und absolut brauchbaren Hinweis für ganze Leben gaben: ?Im Urlaub bringt dir Sicherheit ein Wörterbuch von Langenscheidt!?

 

Bei allem Klaumau, den die Vier aus der Wohlfühlgemeinde Landsberg am Lech veranstalteten, bleibt festzuhalten, dass an diesem Abend vier wirklich exzellente Musiker auf der KiR-Bühne standen, deren musikalische Vielfalt das Publikum in Rheinstetten ebenso überzeugte wie ihre Persiflagen des ganz alltäglichen Lebens. Stehende Ovationen waren der Lohn für einen gelungenen Auftritt.

Kabarett, das den Geist kitzelt - Hennning Venske und Jochen Busse auf der KiR-Bühne

Auf der KiR-Bühne zeigten die beiden Altmeister des Kabaretts, warum sie im Frühjahr 2010 mit dem Ehrenpreis des Deutschen Kleinkunstpreises ausgezeichnet wurden. Gemeinsam mit dem unvergleichlichen Akkordeonisten Frank Grischek boten Henning Venske und Jochen Busse mit "Inventur" ein Kabarettprogramm, das einerseits den Geist kitzelte und herausforderte, aber andererseits dem Publikum auch genügend Ruhepausen gönnte, um zweieinhalb Stunden ihrem Spiel im ärztlichen Wartezimmer folgen zu können.

 

Als running Gag zog sich Westerwelle (?ohne Bedeutung?) durch das Gesamtprogramm, das sowohl den niveauvollen Diskurs als auch das befreiende Lachen bediente. Venske und Busse offenbarten den deutschen Stammtisch als ?Hort geistiger Kühnheit? und als solcher gehöre er unbedingt auf die Liste als Weltkulturerbe. Deutschland, das Land der Dichter und Denker, weltoffen und innovativ zeige sich am besten unter anderem durch den neuen deutschen EU-Kommissar Günther Öttinger, bei dessen Englisch ?stands me my hairs to mountain?, wie Henning Venske anmerkte. Hochaktuell wurde die ?Inventur?, als die Rede auf den ?Sarrazinismus? oder die Burkapflicht für alle kam oder sich Venske und Busse über die Sicherheit der Atomreaktoren stritten: Vattenfall ist eine schwedische Firma ? Gibt es etwa Ikea-Reaktoren? Oder wird in Zukunft die Bahnhofstiefbaugrube Stuttgart 21 als Endlager für strahlende Abfälle genutzt?

 

Als tatsächliche intellektuelle Herausforderung und als zentrales Element des Abends entpuppte sich der Demokratiediskurs zwischen den beiden Altmeistern des politischen Kabaretts. Im Mittelpunkt stand Venskes These, die Demokratie könne ohne Parteien existieren. In seiner Argumentationsreihe schlug er einen weiten Bogen von Platon und Perikles über Jean-Jacques Rousseau, Immanuel Kant bis zum Grundgesetz und stellte die Entscheidungsfähigkeit und Verantwortung des Einzelnen dem Machtanspruch der Parteien gegenüber. Gerade heute, in einer Zeit, die geprägt zu sein scheint von Partei- und Politikverdrossenheit, ein wichtiges gesellschaftliches Thema, das uns alle angeht.

 

Aber ebenso wichtig wie der politische Fortbestand wurde von den beiden Wortkünstlern die Frage erachtet, nach welchen Kriterien Frauen Männer erwählen. Der Venske?schen Alpha-Männchen-Theorie stand Busses leidender Spatz gegenüber. Im Theaterraum konnte man das komödiantische Vergnügen der beiden bei dieser Nummer regelrecht spüren, was den Beifall zu einem Sturm anschwellen ließ ebenso wie bei Busses nicht enden wollenden Wortreihen, die er mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit vortrug: typisch Jochen Busse!

 

Dramaturgisch gesehen hatte die A..-Karte des Abends Frank Grischek, der Akkordeonist, gezogen, über den sich alle Häme und Schadenfreude ergoss. Er war Feindbild und Fußabtreter gleichzeitig. Mit welch stoischem Gesichtsausdruck er all das über sich ergehen ließ, war beeindruckend und seine musikalischen Fähigkeiten standen außer Zweifel. Seine perfekt inszenierte Figur bildete neben der Sprechzimmersituation das Gerüst des Abends, das das perfekte Spiel der Kabarettisten erst ermöglichte.

 

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Eine Beziehung der besonderen Art: Simone Solga und das KiR-Bühnen-Publikum

Die wirklich Großen der Szene werden mit ihren Bühnenfiguren gleichgesetzt: Georg Schramm ist Rentner Dombrowsky, Uwe Lyko ist Herbert Knebel und Simone Solga ist die Kanzlersoufleuse!

 

Als solche gewährt sie ihrem Publikum Einblicke in die Welt der bundesdeutschen Führungsschicht, gestattet Blicke durchs Schlüsselloch, um nachzusehen, was bei Merkles unterm Sofa verborgen ist. Privates und Politisches, Aktuelles und zeitlos Gültiges mixt Solga in ihrem Zweieinhalb-Stunden-Programm zu einem überaus vergnüglichen Cocktail, bei dem am Ende alle fragen: ?Was, schon Schluss??

 

Als Simone Solga zum ersten Mal die KiR-Bühne betrat, galt sie noch als Geheimtipp, heute ist sie unbestritten die beste deutsche Kabarettistin, was sie bei ihrem jüngsten Gastspiel in Rheinstetten erneut sehr zur Freude ihrer Rheinstetter Fans unter Beweis stellte. In der ausverkauften Aula sprang der Funke bereits in der ersten Sekunde über. Solga stürzte sich mitten ins Publikum, begrüßte einen Teil per Handschlag und band so alle ins Geschehen ein: ?Sind Sie verheiratet ? nein, aber bald?? Das war für Simone Solga die Vorlage, um dem zukünftigen Ehemann den Unterschied zwischen Arbeitskampf und Ehe zu erklären: ?Beim Tarifstreit heißt es Aussperrung, bei den Frauen Migräne?.

 

Genüsslich entlarvte die Kabarettistin Verkehrsminister Ramsauers Forderung nach einem Aufbau West, in dem sie anmerkte, dass dies durchaus verständlich sei, denn schließlich haben ?die Ossis neue Bundesländer und die Wessis müssen in den alten wohnen?. Verteidigungsminister zu Gutenberg, der vor allem durch sein ?grundiertes Fundwissen? auffalle, sei die späte Rache des Adels für seine Entmachtung 1918. Und bei Guido Westerwelle hege sie noch immer die Hoffnung, dass er sich vor laufender Kamera ?die Perücke vom Kopf reißt und Hape Kerkeling zum Vorschein kommt?.

 

Ganz aktuell machte sich Simone Solga ihre eigenen Gedanken über Vulkanausbrüche, Flugverbote und die Entschleunigung des Lebens. Ihre Schlüsse aus den Katastrophen der letzten Tage: sie beantwortet in Zukunft nun SMS mit Briefen und die Mailbox wird konsequent nur am 29. Februar abgehört. So setzte sie Pointe auf Pointe, bot Kabarett zum Genießen und brachte ihr Publikum auch durch ihre gekonnt vorgetragenen Songs in Verzückung ? oder waren das nur die Vibrationen des Handyalarms?

 

Sicher ist: Simone Solga in Top-Form und das KiR-Bühnen-Publikum das ist eine Beziehung der besonderen Art. Die Kanzlersoufleuse schaute unter Merkels Sofa und erntete dafür einen Orkan der Begeisterung.

 

Simone Solga in Aktion - Die Bilder des Abends:

 

 

Heimspiel für Armin Heitz: Zigan Swing lässt den Funken überspringen!

Von wegen der Prophet gilt nichts im eigenen Lande!

Armin Heitz war an seinen Geburtsort zurückgekehrt, dorthin wo er 1983 mit seinem ersten Konzert seine Karriere als Gitarrensolist begonnen hatte, ehe er 1984 das ?Zigan Swing Trio? gründete. Inzwischen zählt Armin Heitz gerade wegen seiner solistischen Leistungen, seiner Spontanität und seiner atemberaubenden Technik zur europäischen Spitzenklasse der Jazzgitarristen. Davon konnten sich auch die rund 200 Konzertbesucher der KiR-Bühne überzeugen, die ihrer Begeisterung immer wieder spontan und hörbar Ausdruck verliehen.

 

Federnder Swing, vor Lebensfreude sprühende Violinmusik, dazu eine virtuos gespielte Gitarre: Armin Heitz und seine Musiker zelebrierten in der Aula des Mörscher Schulzentrums Zigan-Jazz vom Feinsten. Die vier Künstler eröffneten das Konzert mit Musik von Django Reinhardt und Stephane Grapelli, den Königen des Zigan Jazz. Zum lockeren Swing flogen Andy Wäldeles Finger über die Saiten seiner Geige. Sein Instrument jubelte in der Höhe und erlaubte lustvolle, augenzwinkernde Improvisationen. Dazu gesellten sich die rasanten Tonläufe von Armin Heitz? Gitarre. Feingliedrig und luftig stimmten sie das Stück ?Nuage? an, einen Klassiker des Zigan Jazz von Django Reinhardt. Bassist Davide Petrocca, einer der international begehrtesten Kontrabassspieler der Jazzszene, und Janosh Dörr, Neffe des berühmten Schnuckenack Reinhardt, an der Rhythmusgitarre sorgten für ein überaus tragfähiges Fundament und trieben durch ihre Tempiwechsel die beiden Solisten zur Höchstleistung.

 

Immer wieder verblüffte Armin Heitz durch den langen Atem seiner Griffbrettläufe. Selbst das tröstliche ?In A Sentimental Mood? von Duke Ellington oder Charly Chaplins ?Smile? gerieten in beunruhigende Bewegung. Die Klarheit der Töne, die Heitz seinem Instrument entlockte, versetzte das Publikum ein ums andere Mal ebenso in Staunen wie die Geschwindigkeit seines Griffrepertoires. Armin Heitz, so bezeugen Kenner der internationalen Jazzszene, ist einer der wenigen Gitarristen weltweit, die sich einerseits an jedem Geschwindigkeitswettbewerb erfolgreich beteiligen könnten und andererseits dennoch die Harmonien auf der Gitarre sensationell klar setzen können.

 

Mit ihren ungarischen Czardas-Melodien, den ?G-Stücken? für G wie Gulasch, erreichten die vier Musiker dann auch noch den Letzten im Publikum, der noch nicht durch den unwiderstehlichen Rhythmus angesteckt worden war. Lang ließ Andy Wäldele die Töne seiner Geige verklingen, voller Sehnsucht, Armin Heitz antwortete im zartesten Pianissimo. Doch dann wurde die Musik immer schneller, entfaltete sich zum temperamentvollen Tanzrhythmus. Janosch Dörr forcierte das Tempo, Davide Petrocca ließ den Kontrabass galoppieren und gemeinsam endeten die Vier in einem furiosen Finale. Das Publikum ließ sich mitreißen und spendete begeistert Applaus.

 

Aber nicht nur den Zuhörern, auch den Musikern machte das Konzert hörbar und sichtbar Spaß. Entspannt nahmen sie den Applaus entgegen, verständigten sich untereinander nur mit einem kleinen Wink oder einem Augenzwinkern, um dann erneut loszulegen. Dass Armin Heitz gegen Ende des Konzerts die Liebe der Jazzmusiker zum Dreivierteltakt offenbarte, wurde ungläubig belächelt. Der Beweis folgte postwendend und animierte manche Zuschauerreihe zum Schunkeln: ein echt bayerischer Walzer: Ein wenig derb, fröhlich und unbekümmert, aber typisch Armin Heitz. Auch diese Facette durfte bei seinem Heimspiel nicht fehlen.

 

Zurück zu den Wurzeln: Armin Heitz auf der KiR-Bühne

Arved Fuchs: Vom Bücherwurm zum Expeditionsleiter in der Arktis

Über zwei Stunden entführte der Polarforscher Arved Fuchs sein Rheinstettener Publikum in die faszinierende Eiswelt Ostgrönlands und Spitzbergens. Nahezu druckreif waren seine Ausführungen, grandios seine Naturaufnahmen aus der Arktis und äußerst nachdenklich jene Passagen seines Vortrags, in denen er sich mit dem Klimawandel und seinen bereits jetzt sichtbaren Auswirkungen beschäftigte.

 

Schon der Beginn seines Vortrags fand viel Zustimmung: ?Mein Vater war ein erklärter Feind des Fernsehens, wenn wir etwas sehen wollten, mussten wir zu den Nachbarn gehen. Dafür gab es Bücher in Hülle und Fülle?, erzählte der Forschungsreisende. Er verschlang begeistert Fridtjof Nansens ?In Nacht und Eis? oder Scott Amundsens Reportagen über die Erforschung des Nord- und Südpols. Heinrich Hubert Houbens 1927 erschienenes Buch ?Der Ruf des Nordens? hatte Fuchs mitgebracht und zitierte: ?Reisen ? Entdecken ? was ist es weiter als die große Sehnsucht des Menschen, hinter das Wesen aller Dinge zu schauen.? Eine weitere Erklärung seiner eigenen Motive war nach diesem Zitat nicht mehr notwendig.

 

Seit 1977 erforscht Fuchs die Arktis. 1997/98 überwinterte er mit seinem Segler ?Dagmar Aaen? erstmals im Scoresbysund in Ostgrönland. Als er zehn Jahre später, 2007, in die arktische Welt Ostgrönlands zurückkam, war das Erstaunen groß. ?Die Region hat sich radikal verändert, das Eis verschwindet im Rekordtempo?, stellte Arved Fuchs fest. Die Arktis erwärme sich zurzeit doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Allein 2007 habe sich das ?ewige Eis? in einer Größenordnung aufgelöst, die der vierfachen Fläche Deutschlands entspricht. Der aktuelle Zustand wurde von Experten eigentlich erst für das Jahr 2040 vorausgesagt.

 

Die Nordwest- und Nordostpassage seien zum zweiten Mal in Folge ganzjährig befahrbar gewesen. Der Permafrostboden taue, ganze Siedlungen rutschen ab und versinken im Morast, gleichzeitig schmelze der Lebensraum von Walrössern, Eisbären und Robben dahin, berichtete Fuchs. Unmissverständlich belegte der erfolgreiche Sachbuchautor, dass der Mensch den Klimawandel verursache und die Zeit zum Handeln längst gekommen sei.

 

Nicht nur Abenteuerlust treibe ihn an, sondern auch die Mission aufzuklären und sein Publikum zu sensibilisieren, um so einen Beitrag zu leisten, die Zerstörungen eines unendlich wichtigen Lebensraumes zu verhindern. Wie sehr ihm dieses Aufrütteln auch bei den Besuchern der KiR-Bühne gelungen war, zeigte sich eindrucksvoll an der Vielzahl der intensiven Gespräche, die er bereits in der Pause am Büchertisch der Reginbert-Buchhandlung führen musste und die sich im Anschluss an die Multivisionsshow fortsetzten. Ein weiterer deutlicher Beweis, wie sehr Arved Fuchs mit seinem Vortrag sein Publikum begeisterte, war die Tatsache, dass seine Bücher bereits in der Pause restlos ausverkauft waren.

Arved Fuchs im intensiven Gespräch am Büchertisch

Arved Fuchs fesselte über zwei Stunden sein Publikum in Rheinstetten mit faszinierenden Aufnahmen und äußerst nachdenklichen  Passagen. Dementsprechend intensiv waren bereits in der Pause die Gespräche am Büchertisch der Reginbert-Buchhandlung.

...und in den BNN schrieb Sabine Röwer am 22.2.2010 über den Abend mit Arved Fuchs:

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Jochen Malmsheimer auf der KiR-Bühne: "Möge der Wind in deinem Rücken nicht dein eigener sein."

Mit diesem irischen Reisesegen endete ein unterhaltsamer Abend, den Jochen Malmsheimer seinen Gästen auf der KiR-Bühne mit auf den Weg gab.

 

Die erste Veranstaltung der KiR-Bühne im Jahr 2010 zeigte gleich einen Großen der Kleinkunstszene, der einem breiteren Publikum spätestens seit der Übernahme seiner Hausmeisterstelle in einer ZDF-Anstalt bekannt ist. Dass Hausmeister auch Kabarett können, zeigte Jochen Malmsheimer dem Publikum in seinem Programm ?Wenn Worte reden könnten oder 14 Tage im Leben einer Stunde?.

 

Malmsheimers unendlich subtiler Wortwitz und sein kreativer Umgang mit der Muttersprache konstruierten aus dem eher banalen Zusammenhang von Bahnhöfen und Leim eine Beschreibung der dramatischen Alltagserfahrungen von Bastel-Legastenikern, die gleichzeitig Väter eisenbahnbegeisteter Söhne sind.

 

Wer dann noch Halter eines treuen, aber hausgroßen Vierbeiners ist, dem wurde sprachgewaltig dargelegt, dass die begeisterte Neugierde von Rex nur selten mit der eher statischen Handlung des ?Halters? in Einklang steht.

 

Den Installateuren & Co, widmete der Künstler eine weitere Geschichte. Der ?Handwerk? habe ?goldene Hoden?, so Malmsheimer. Zudem wurde er schon in der Bibel als Luzifer und Satan erwähnt und ist somit dem katholisch versierten Publikum durchaus ein Begriff. Umso interessanter war es, zu erfahren, dass ?Satan? eigentlich nur das Kürzel für ?Sanitäranlagen? sei. Auch in dieser Episode entdeckte sich jeder leidgeprüfte Häuslebesitzer im Publikum. Ich selbst hatte vor nicht allzu langer Zeit einen Installateur im Haus ... aber das ist eine andere Geschichte.

 

Nach der Pause, die vor allem dem Publikum half, seine Gedanken wieder zu ordnen, entführte Malmsheimer seine Zuhörer in die gern vergessene Zeit der ersten Stehblues-Feten im Keller der vereisten Eltern. Plastisch wurden die ?Gefechtspausen? zwischen zwei Stehbluesattacken auf die Partykönigin beschrieben, in denen man sich mit einer ?Lambrusco-Bombe?, zwei Liter für 1,98 ? wohlgemerkt D-Mark ? Mut antrank für den kommenden ?Einsatz?. Dass der überdosierte Einsatz dieser Wunderwaffe in Kombination mit der Mutter aller Salate ? dem Nudelsalat ? mitunter fatale Folgen haben konnte, beschrieb Malmsheimer auf wunderbare Weise aus der Sicht der beiden aus dem Magen eines Fetenteilnehmers.

 

Am Ende des Programms beantwortete Malmsheimer dann die Frage, die ihn lang beschäftigt und uns bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich nie interessiert hatte: Wohin gehen Worte, wenn sie gesprochen wurden? Die Antwort darauf gibt Malmsheimer gerne wieder. Beim nächsten Mal auf der KiR-Bühne. Dort würden Publikum und Veranstalter den auch im privaten Umgang sehr angenehmen Künstler gerne wiedersehen.

 

Und wenn Sie demnächst im Autoradio die Verkehrsmeldung hören: ?Folgender Hinweis für die Autofahrer auf der A70 Richtung Münster ? die Autobahn führt nicht nach Münster!?, dann steckt mit Sicherheit Jochen Malmsheimer dahinter.

...und das schrieb Thomas Zimmer am 19.1.2010 in den BNN über den Auftritt von Jochen Malmsheimer:

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