Für den "Lesesommer" haben auch wir von KiR ein paar Bücher für Sie gelesen, die wir gerne weiterempfehlen. Denn wir meinen, dass diese Bücher eine durchaus angenehme Sommerlektüre sind.

Zugegeben, es ist nicht immer das, was gerade in Mode ist - aber vielleicht liegt gerade darin der Reiz unserer Empfehlungen.

Natürlich haben wir dabei auch Autoren berücksichtigt, die bereits auf der KiR-Bühne waren.

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Durchblättern unserer Tipps für den Sommer.

 

 

Dieter Hildebrandt: Letzte Zugabe

Im April 2011 trafen wir Dieter Hildebrandt das letzte Mal persönlich. Als er von der Bühne der Mörscher Keltenhalle abtrat, sagte er zu Helmut Gerstner: Beim nächsten Mal trete ich aber in euerer kleinen Aula auf und nicht mehr in dieser großen Sporthalle.

Für ihn war klar, dass er spätestens 2014 wieder auf der KiR-Bühne auftritt. Aber es kam anders, wie wir alle wissen.

 

Nun liegt sein letztes Buch vor, von dem sein Verlag schreibt:

Seit Beginn des Jahres 2013 beschäftigte sich Dieter Hildebrandt mit seinem letzten Buch. Anders als gedacht, früher als geplant war mit dem Arbeiten Schluss. Seine nachgelassenen und uns überlassenen Texte liegen nun als Letzte Zugabe vor. Sie zeigen Dieter Hildebrandt als Meister der satirisch-kämpferischen Auseinandersetzung mit den Zeitläuften, als witzigen Kommentator grotesker Vorgänge in unserem Land und als unerbittlichen Aufklärer, der kritisch war, aber auch lustig, ja von ungebremster Freude am Heiteren.

 

Es lohnt sich diesen letzten Band des großen Kabarettisten zu lesen. Natürlich ist Hildebrandt kein nobelpreisverdächtiger Literat, aber auf jeder Seite spürt man als Leser, was die Kultur in Deutschland an ihm gehabt hat. Dieser grandiose Kabarettist wird uns wahrhaft fehlen.

Eva Klingler: Baden in 101 Orten

Die ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek Rheinstetten, Eva Klingler, hat im Theiss-Verlag ei n hübsches, kleines Buch veröffentlicht, in dem sie 101 Orte in Baden vorstellt.

Klar - viele dieser Orte kennen wir, z.B. Rheinstetten! Aber trotzdem ist es eine tolle Ferienlektüre.

Für kleine oder größere Ausflüge, für den "Urlaub zuhause" kann man sich in Eva Klinglers Büchlein Anregungen holen. Von der Imperia in Konstanz, St. Blasien oder "der besten badischen Braukunst" in Rothaus bis nach Eppingen oder das Römermuseum in Stettfeld. Das Feld ist unendlich weit.

Ein Buch zum Blättern und Anschauen, für die kleinen Aha-Erlebnisse und die spontanen Entschlüsse.

Max Moor: Lieber einmal mehr als mehrmals weniger

Wie gesagt: Max Moor, der Moderator der ARD-Kult-Kultursendung ttt (Titel, Thesen, Temperamente) wpllte am 5. November 2014 nach Rheinstetten, um auf der KiR-Bühne seine beiden Bücher mit "Geschichten aus der arschlochfreien Zone" vorzustellen, doch dann erkrankte seine Frau schwer und er musste absagen.

Als er diese 2009 und 2012 bei Rowohlt veröffentlichte hieß Max Moor noch Dieter, inzwischen hat er eine Namensänderung vollzogen - aber die Bücher und seine Geschichten sind gleich gut geblieben.

Er erzählt von seinem Versuch, im brandenburgischen Örtchen Amerika heimisch zu werden und seinen Traum vom Bauernhof gemeinsam mit seiner Frau zu verwirklichen. Warum er tatsächlich sein Herz (als Schweizer und Fernsehschaffender) an Land und Leute verloren hat, davon erzählt er in seinen Büchern. - Eine charmante und witzige Liebeserklärung an eine verkannte Region.

 

Lesen Sie die Bücher, auch wenn Sie ihn im letzten Jahr nicht auf der KiR-Bühne erleben konnten.

Jürgen Schmidt: August Bebel, Kaiser der Arbeiter

Ach Gott - eine Politiker-Biografie.

Das dachten wir auch zuerst, aber dann entpuppte sich Jürgen Schmidts Bilck auf August Bebel als eine äußerst interessante Darstellung des Lebens dieser Symbolfigur der frühen Sozialdemokratie. Denn in der Tat wurde hier einer vom Handwerksgesellen zum absoluten Politstar und sein Lebensweg war beispielhaft für den Aufstieg der Arbeiterbewegung im deutschen Kaiserreich.

 

Trotzdem bleiben natürlich Zweifel, ob dies eine "Sommerlektüre" sein kann. Doch Jürgen Schmidt schreibt so flüssig und verständlich, dass es ein Genuss ist, ihm auf den Spuren des Arbeiterkaisers zu folgen und die Vielfältigkeit dieser  widersprüchlichen Persönlichkeit kennenzulernen.

 

Wie schreibt der Biograf über August Bebel: "Der mit allen Wassern der kapitalistischen Geldanlage gewaschene Arbeiterführer, der für das nationale Wohl eintretende Internationalist, der Vertreter eines 'männlichen Feminismus', der der praktischen politischen Reformarbeit zugewandte, jedem ideologischen Revisionismus aber abholde Politiker..." und so weiter.

 

Lernen Sie diese Persönlichkeit näher kennen und Sie werden auch vieles verstehen, was heute die deutsche Sozialdemokratie ausmacht.

 

Übrigens: August Bebels Bestseller "Die Frau und der Sozialismus" gibt es als preiswertes Taschenbuch. Das Buch ist aktuell - seit 1879!

Konrad Heiden: Eine Nacht im November 1938

Bereits 1939 wurde Konrad Heidens (1901 - 1966) zeitgenössischer Bericht veröffentlicht - aber eben nicht auf Deutsch. Es erschienen Übersetzungen in  Englisch, Französisch, Schwedisch.

 

Endlich, im Jahr 2013 zum 75. Jahrestag der Pogromnacht veröffentlichte der Wallstein-Verlag den zeitnahen Tatsachenbericht in Deutschland.

 

Entsetzlich dramatisch und niederschmetternd, nennt Helmut Lölhöffel in der Süddeutschen Zeitung vom 5.11.13 das Büchlein. 

Aber man sollte dieses Dokument kennen. Eine lesenswerte Lektüre eines Vergessenen, den man nicht vergessen sollte.

 

Helga Grebing, Ansgar Lorenz: Willy Brandt - Eine Comic-Biografie

Wenn man das kleine Büchlein zum ersten Mal sieht, fragt man sich unwillkürlich: "Darf man das?"

 

Darf man das Leben dieses Jahrhundertpolitikers, des Friedensnobelpreisträgers, der Ikone der deutschen Sozialdemokratie als Comic verarbeiten?

 

Kurze Antwort: Man darf!

Insbesondere wenn Helga Grebing für den Inhalt verantworlich ist.

 

Es ist eine hübsche Blätterlektüre für alle Altersstufen. Ein generationenübergreifendes Buch, das Willy Brandt auch denen näher bringt, die zu seinen Lebzeiten noch nicht geboren waren.

Egon Bahr: Das musst du erzählen - Erinnerungen an Willy Brandt

Eigentlich wollten wir Egon Bahr, den engsten Mitarbeiter Willy Brandts, bereits nach der Veröffentlichung seines Buches "Der deutsche Weg" im  Jahr 2003 zu einer Lesung nach Rheinstetten einladen, aber bereits damals war ihm das "Tingeln" auf Grund seines Alters unangenehm, wofür wir vollstes Verständnis hatten.

 

Um so mehr freut es uns, dass der inzwischen 91-jährige Egon Bahr nun ein neues Buich vorgelegt hat, in dem er sich mit seinem Freund Willy Brandt beschäftigt und seiner - Egon Bahrs - Rolle in den entscheidenden Phase der deutschen Entspannungspolitik.

Vieles von dem, was er eindrucksvoll erzählt, ist nicht neu, aber nun aus einem anderen Blickwinkel erzählt. Und manche seiner Erinnerungen reichen weit über den Tag hinaus.

 

Zum Beispiel wenn er auf Seite 228 seines Buches schreibt:

 

"Demokratie ist eine europäische Erfindung. Die politische Gewalt wird durch freie Wahlen von dem Souverän, dem Volk, an die Regierung delegiert, aber nicht an den Markt.

Die Demokratie muss über dem Markt stehen...

 

Dem Motto Willy Brandts "Mehr Demokratie wagen" stellte Angela Merkel ihr "Mehr Freiheit wagen" entgegen. Diese Parole führte zu ihrer "marktkonformen Politik". Die Märkte trieben die Staaten vor sich her oder degradierten sie durch Raiting-Agenturen."

 

 

oder wenn Egon Bahr auf Seite 207 feststellt:

 

"Valentin Falin, lange Jahre sowjetischer Botschafter in Bonn und Begleiter der Vertragsverhandlungen, hat es so ausgedrückt: Ohne die Entspannungspolitik Brandts wäre Gorbatschow nicht Nummer eins im Kreml geworden. Und ohne Gorbatschow hätte es die Einheit nicht gegeben."

 

und er dokumentiert auch Willy Brandts Haltung zur Großen Koalition, wenn er sich erinnert, Brandt habe vor der Bundestagswahl 1969 gesagt:

 

"...in der grimmigen Entschlossenheit: "Ich werde auch bei nur einer Stimme Mehrheit versuchen, Kanzler zu werden."  Die anfängliche Empfindung, die Große Koalition sei politisch widernatürliche Unzucht, war nicht gelöscht."

 

Es lohnt sich, dieses Bahr-Buch zu lesen - nicht nur weil Willy Brandt in Jahr 2013 hundert Jahre alt geworden wäre, sondern weil vieles von dem, was erzählt wird, verdammt aktuell ist.

 

Die KiR-Nachttisch-Lektüre

Hier stellen wir Ihnen einige Bücher vor, die zur Zeit bei uns auf dem Nachttisch liegen.

Natürlich dürfen Sie das nicht so wörtlich nehmen - aber Sie wissen schon, was wir damit sagen wollen!

 

Siegfried Lenz: Die Maske

Nur 124 Seiten stark ist das neue Buch von Siegfried Lenz. Aber die haben es in sich!

 

Zwischen den Buchdeckeln schlummern fünf Erzählungen, die jeden Lenz-Leser begeistern werden und doch - etwas hat sich geändert bei dem 85-jährigen Schriftsteller.

 Zumindest in der meisterhaft erzählten Geschichte, die dem dünnen Band den Namen gab: "Die Maske", fehlen Auflösung und Harmonie. Und trotzdem ist es ein Lesegenuss.

 

Da schreibt einer, der seine Sprache wie kein Zweiter beherrscht, der Gefühle ausdrücken kann, der Liebesgeschichten erzählt, ohne ins Triviale abzudriften.

Mir hat das Lesen genau so viel Spaß bereitet wie bei seinem für mich schönsten Buch der letzten Jahre, der "Schweigeminute" von 2008.

 

Wer "altmodisch" ist und Sprache in ihrer Vielfalt und Ausdrucksstärke liebt, sollte sich "Die Maske" auf den Nachttisch legen.

 

Siegfried Lenz:        Die Maske

                                   Erzählungen. Hoffmann und Campe,

                                   Hamburg 2011. 124 Seiten

 

Übrigens:

Auch die Kulturredaktion des "vorwärts" hat Siegfried Lenz' neues Buch unter die Lupe genommen. Lesen Sie ihre Rezension: www.vorwaerts.de/trackback/13587

 

Elke Heidenreich: Nero Corleone

Hier stellen wir Ihnen einige Bücher vor, die zur Zeit bei uns auf dem Nachttisch liegen. Natürlich dürfen Sie das nicht so wörtlich nehmen - aber Sie wissen schon, was wir damit sagen wollen!

 

 

Schon 1996 hat Elke Heidereich ein wunderschönes "Kinderbuch" geschrieben. Die Geschichte des Katers Nero Corleone.

 

  "Nero" nennen sie den kleinen Kater auf dem italienischen Bauernhof, weil er bis auf eine weiße Pfote ganz schwarz ist. Nero fürchtet sich vor nichts und niemand, nicht einmal vor Robert und Isolde, dem deutschen Ehepaar, das in den Ferien das Häuschen auf dem Hügel bewohnt. Und weil er meint, das Zeug zu einem Chef zu haben, beschließt er, den Hof zu verlassen, um mit den beiden nach Köln am Rhein zu gehen. Dort tobt das wahre Leben! ...

 

Das ist ein perfektes Buch für kleine und für ganz große Kinder. Herrlich unterhaltend, fesselnd und auf einen Rutsch durchzulesen. Besser geht es nicht.

 

Und jetzt gibt es den Fortsetzungsband "Nero Corleone kehr zurück - Es ist immer genug Liebe da". Das ist das Heidenreich-Buch für alle, die sich fragen, was aus Nero Corleone geworden ist.

 

Wie gesagt, das ist die perfekte Lektüre für kleine und für ganz große Kinder - ideal für den "Nachttisch"!