Wir waren 2012 bei KiR:

Matthias Deutschmann
Die Rheinsirenen
Werner Koczwara
Dr. Erhard Eppler
Armin Heitz Trio & Ferdinand Leicht
Uwe Steimle
Hans Klaffl
Hans Kammerlander

"Mit der Eiger-Nordwand hören die Alpen auf!"

Am Ende blieb nur noch Staunen und die Frage nach dem Warum.

Warum ersteigt Hans Kammerlander die höchsten Berge der Erde, um dann per Ski vom Dach der Welt abzufahren? Warum durchklettert der Südtiroler in vierundzwanzig Stunden alle vier Grate des Matterhorns? Warum macht er weiter, obwohl zwei seiner besten Kletterfreunde in seiner unmittelbaren Nähe am Berg zu Tode kommen?

 

Der Multivisionsvortrag des Südtiroler Extrembergsteigers trägt zu Recht den Titel "Bergsüchtig", denn was die Besucher der KiR-Bühne sahen und hörten, erklärte ein-drucksvoll die ?Krankheit" Hans Kammerlanders: Er ist süchtig nach Wänden, Graten und Gipfeln.

 

In seinem knapp zweistündigen Vortrag erzählte der in Ahornach im Norden Südtirols geborene Kammerlander von seinen Anfängen und seiner Sturm-und-Drang-Zeit als junger Bergsteiger in den Alpen, dessen außergewöhnliches Talent in der Kletterszene auffiel. Die drei großen Nordwände der Alpen am Matterhorn, am Eiger und an den Grands Jorasses hatte er bald bezwungen und das Matterhorn bestieg er binnen 24 Stunden über alle vier Grate im Auf- und Abstieg. Mit der Durchsteigung der drei Nordwand-Klassiker boten die Alpen für Kammerlander keine Ziele mehr oder wie er sagte: ?Mit der Eiger-Nordwand hören die Alpen auf!?

 

Da kam die Einladung seines Arbeitgebers, Reinhold Messner, für den er als Bergführer arbeitete, zur Besteigung des Achttausender Cho Oyu gerade zur rechten Zeit. ?Reinhold Messner hat mir die Tür zu den ganz großen Bergen der Welt geöffnet.? Mit ihm ge-meinsam bestieg Hans Kammerlander sieben Achttausender.

Ungläubiges Staunen rief seine Schilderung der Besteigung der Nordflanke des Mount Everest hervor. Kammerlander gelang die bis dahin schnellste Solo-Besteigung am höchsten Berg der Welt. ?Um 9.30 Uhr war ich auf dem Dach der Welt. Dann hieß es, Ski anschnallen und ab geht?s!? Als Erster wagte er eine sechsstündige Skiabfahrt vom Gipfel des Everest und innerhalb von 24 Stunden ?war alles erledigt!? Weniger euphorisch waren Kammerlandes Berichte über seine Erlebnisse am Kangchendzögna, dem dritthöchsten Berg der Erde, wo sich der Südtiroler schwerste Erfrierungen zuzog und seinen großen Traum von der Besteigung des K2 aufgeben musste.

 

Den zweiten Teil seines Vortrages widmete die Bergsteigerlegende ausschließlich seinem Traumberg, dem K2 im Karakorum. ?Mit 8.611 Metern Höhe erhebt er sich wie eine grandiose Pyramide aus einem zauberhaften Gletschermeer.? Dieser eisige Gigant, so Kammerlander, habe große Ähnlichkeit mit seinem geliebten Matterhorn ? nur dieses passe 40mal in den Berg aller Berge. Mit keinem anderen Berg auf der Welt hat Hans Kammerlander so sehr gerungen wie mit diesem K2. Eindrucksvoll ließ er seine Zuhörer an seinem dreifachen Scheitern teilhaben. Aber immer wieder kehrte der Ausnahme-Alpinist zum Berg seiner Begierde zurück. Endlich gelingt es Kammerlander im vierten Anlauf gemeinsam mit dem französischen Spitzenalpinisten Jean-Christof Lafaille den Koloss zu bezwingen. Das Publikum folgte gespannt und fasziniert den Erzählungen des Südtirolers. Überwältigt von den Bildern und Filmsequenzen blieb zum Schluss nur noch Staunen, Bewunderung und die Frage nach dem Warum.

 

Hans Kammerlander beim Vortrag auf der KiR-Bühne




Fotos:
Franz Gerstner

Hans Klaffl: Der Lehrer ist sich selbst ein Rätsel

Es war ein Kabarettabend der absoluten Spitzenklasse, bei dem kein Auge trocken blieb, denn was der bayrische Gymnasiallehrer Hans Klaffl auf die KiR-Bühne zauberte, be-geisterte das Publikum in der restlos ausverkauften Aula des Mörscher Schulzentrums.

 

Um es kurz zu machen: Der Lehrer ist sich zwar selbst ein Rätsel, aber wie man diesem Rätsel auf den Grund gehen und es sogar lösen kann, zeigte Hans Klaffl eindrucksvoll in seinem dreistündigen Bühnenprogramm. Bereits die Eingangsszene, ein bis tief nach Mitternacht am Stehpult korrigierender Lehrer, der seine ätzenden Kommentare zu den Schülerarbeiten in den Bart grummelte, erzeugte ein lehrerspezifisches Lachen im Publikum und gipfelte mit Blick auf das Leistungsniveau am ?Lukas-Podolski-Gymnasium? in der Lehrerfrage: ?Ob wir früher wohl auch so deppert waren?? Groß war das Getuschel im Publikum, das zu einem nicht unbeträchtlichen Teil der pädagogischen Fakultät entstammte, bei Klaffls Typisierung des Lehrerkollegiums an besagtem Gymnasium.

 

Lehrer-Typ A, Herr Sedlmayer (?Do han mr scho ganz andere Probleme ausg?sessen?), der noch immer die Flower-Power-Ringelpullover der 1970er Jahre trägt, obwohl er rein körperlich schon lange A 12 verlassen hat und in A 14 hineingewachsen ist. Lehrer-Typ B, Frau Gütlich, überlastet von Bedenken und Meisterin des Projektunterrichts, bei der Schüler erst dann gefährdet sind, wenn sie mehr Fünfer als Fächer haben. Lehrer-Typ C, Gmeinwieser, der Brachialrhetoriker, für den Schüler und Eltern im Grunde eine kriminelle Vereinigung sind. Und schließlich Lehrer-Typ D, Herr Gregorius, der Schöngeist und Altphilologe, den Schüler zwar hören aber selten verstehen: ?Etwas weniger albern ist auch lustig.?

 

Angesichts der Überalterung mancher Kollegien in Bayern und anderswo merkte Klaffl an, da könne auch die Gammelfleischverordnung zutreffen, denn ?außer den Bandscheiben fällt hier nichts mehr vor!? Am interessantesten bei Lehrerkonferenzen sei neben der Notendiskussion das Ringen um den beweglichen Ferientag. Mit großer Kreativität versuche man jedes Jahr aufs Neue den Brückenbau: Mit Hilfe des beweglichen Ferientags plane man eine Brücke zu bauen von den Osterferien über Pfingsten bis Weihnachten!

 

Schließlich offenbarte Hans Klaffl die Traumbesetzung für das bayrische Kultus-ministerium: Karl Theodor. Nicht der Drucker sondern der Kopierer! Gutenberg habe ein Händchen für Reformen. So könne man die Bundeswehrreform nahtlos in den Schul-bereich übernehmen. Die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht werde zur Ab-schaffung der allgemeinen Schulpflicht und an den Schulen werden nur noch wenige Freiwillige unterrichtet. Gleichzeitig forderte Klaffl die Erweiterung des am Freitag durch den Bundestag beschlossenen Betreuungsgeldes bis zum Abitur: ?aber nur wenn die Eltern ihre Kinder auch tatsächlich zu Hause behalten?! ?Bei einigen Schülern,? so er-gänzte Klaffl,?würde ich noch aus eigener Tasche 50,- Euro drauflegen!?

 

Immer wieder wurden die überaus unterhaltsamen Geschichten rund um die Schule musikalisch unterbrochen. Hans Klaffl zeigte sich als exzellenter Musiker an Flügel und Kontrabass. Grandios seine Ballade über den Elternsprechtag, bei der er das Publikum als Background-Chor verpflichtete. Bei diesem Frontalunterricht kann man getrost die Pisastudie vergessen und sich auf eine weitere Doppelstunde mit Hans Klaffl im übernächsten Jahr freuen.

 

Foto: Franz Gerstner

 

"40 Jahre Ferien..." in 12 Bildern












Fotos: Franz Gerstner

Von der deutschen Sprache und dem Dresdner Striezelmarkt

Bei seinem Gastspiel auf der KiR-Bühne zeigte sich Uwe Steimle sowohl als scharfzüngiger Satiriker als auch als hintergründiger Kabarettist, dessen Ziel nicht der Lacher im Sekundentakt ist. Gezielt setzte er dabei seine sächsische Herkunft ein - frei nach Christian Morgenstern ?Beim Dialekt geht Sprache erst los!?

 

Wie ein roter Faden zog sich das Thema ?Sprache?, die ungeheuer verräterisch sein kann, durch Steimles Programm. Immer wieder baute er Zitate deutscher Dichter und Philosophen in seinen eigenen Text ein, um seinen Erkenntnissen noch größeres Gewicht zu verleihen. Deutsch bedeute ?die Sprache des Volkes?, verkündete der Kabarettist, aber sie werde in bestimmten Kreisen schon lange nicht mehr gesprochen. Heute, so Steimle, komme es nur noch auf ?Glaubwürdigkeit und Sympathie? an. Wer glaubwürdig und sympathisch ?rüber kommt?, könne den größten Mist erzählen. Glaubwürdigkeit sei jedoch ?was für die Kirche. Alle anderen sollten es mal mit der Wahrheit versuchen!? Als wahrhaft ?rotes Tuch? entpuppte sich für Uwe Steimle Angela Merkels Lieblingswort ?alternativlos?. Alternativlos gebe es erst in der Grube, ansonsten geben es immer eine Möglichkeit zum anhalten und umkehren. Nur der Mangel an Ruhe treibe uns in die nächste Barbarei, wie Nietzsche es formulierte.

 

Wunderschön skurril waren die Erzählungen des Dresdener Kabarettisten über den 577. Striezelmarkt seiner Heimatstadt, wo in dreieinhalb Wochen 675.000 Liter Glühwein ge-trunken wurden und sächsische Blinsen zu Crepes mutierten. Oder die Geschichte vom Dresdener Stadtrat, der das Fällen von 18 Birnbäume beschloss, weil die reifen Birnen die Fahrbahn vermatschten und der dann ersatzweise sechs neue, aber fruchtlose Birnbäume pflanzen ließ. Nach der alles entscheidenden Frage. ?Warum lächeln die Chinesen? ? Die haben ihre Mauer noch!? merkte Uwe Steimle an, dass manche seiner Veranstaltungen im Westen der Republik wie Vertriebenentreffen anmuten, denn der Sachse sei nicht nachtragend, aber er vergesse auch nicht. Deshalb rate er Angela Merkel und anderen Politikern, genau aufzupassen, bei wem sie Passagen ihrer Reden abschreiben ? und schon wurde aus einer gelungenen Merkel-Parodie ein leibhaftiger Erich Honecker, der seine Parolen von der KiR-Bühne verkündete.

 

Wilhelm Buschs ?Bewaffneter Friede? und Schillers ?Hoffnung? beendeten einen Kabarettabend, mit dem Uwe Steimle die Herzen seines Publikums in Rheinstetten gewann, ohne zu vergessen, auf seinen neuesten Kinofilm ?Sushi in Suhl? und sein neues Buch ?Meine Oma, Marx und Jesus Christus? hinzuweisen.

 

Kabarett mit Uwe Steimle in sechs Bildern:






Fotos: Franz Gerstner

Gitarrist Armin Heitz und Erzähler Ferdinand Leicht zum ?Heimspiel? auf der KiR-Bühne

Mit einer ganz besonderen Mischung verabschiedete sich die KiR-Bühne in die Sommer-pause: der Lyriker und Erzähler Ferdinand Leicht traf den Gitarrenvirtuosen Armin Heitz.

 

Es war das erste Zusammentreffen der beiden Kreativen aus Rheinstetten nach über 30 Jahren. Während Leicht einen ?Text-Eintopf? aus vierzig Jahren schriftstellerischer Tätig-keit kredenzte, stellte das Armin Heitz Trio die Stücke seiner neuen CD ?Blue in Green? vor.

 

Mit Janosch Dörr an der Rhythmusgitarre und Davide Petrocca am Kontrabass bildet der Gitarrist Armin Heitz eine musikalische Einheit, die unter den besten Jazzern keinen Ver-gleich zu scheuen braucht. Nur auf dem stabilen Fundament des taktgebenden Janosch Dörr gelingt es den beiden Solisten Petrocca und Heitz ihr ganzes Können darzubieten. Die elf Stücke der neuen CD ?Blue in Green? zeigen nicht nur das Hochgeschwindigkeitsgitarrenspiel des Armin Heitz, sondern sie vermitteln auch den Eindruck, dass der inzwischen 52-Jährige durchaus auch den leiseren langsameren Stücken zugeneigt ist und so eine Atmosphäre erzeugt, die die Zuhörer heiter und beschwingt die Musik des Trios genießen lässt. Ohne seine musikalischen Wurzeln bei Django Reinhardt zu verleugnen, zaubert Armin Heitz mit dem ?Didi Valse?, ?Godfather?s Theme? oder Charly Chaplins ?Smile? eine einmalige Stimmung in den Saal. Angesichts der deutschen Niederlage gegen Italien am Tag zuvor widmet Heitz dem Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Philipp Lahm, den Song ?Little man you?ve had an busy day?, was die Spielfreude von Davide Petrocca, dem Sizilianer am Kontrabass, noch steigerte.

 

Viel Beifall erhielt Ferdinand Leicht für seine Lesung aus vierzig Jahren Textproduktion. Bereits mit seiner Eingangserzählung über seine eher zufällige Geburt als Mörscher in Forchheim, die Geschichte ?vum Ungl Emil seim erschde Fernseher? oder über das ?Sau-stall-Rodeo mit Paule? hatte er das Publikum auf seiner Seite. Nachdenklichkeit erzeugte er mit seinen ?Männern am Kiosk? und zum Teil bedrückende Gefühle hinterließ Ferdinand Leichts Prosa-Text ?Gischt?, der die Geschichte des Bretonen Gilbert erzählt und durchaus autobiografische Passagen enthält. Mit seinem ?Vagabundenlied? und dem Song ?Ich will leben? umriss der Lyriker und Erzähler Ferdinand Leicht die gesamte Bandbreite seines künstlerischen Schaffens, was das KiR-Bühnen-Publikum mit viel Beifall bedachte.

 

Mit dem ironischen Walzer von der schönen Münchner Isar beendete das Armin Heitz Trio die Bühnenbegegnung nach 30 Jahren, die allen Beteiligten sichtbar Freude bereitete ? auch dem Publikum der KiR-Bühne, das das Trio bei seinem ?Heimspiel? in die Nachspielzeit zwang und Armin Heitz erneute Beweise seiner Fingerfertigkeit an der Gitarre abverlangte.

 

Fotos: Franz Gerstner

Erhard Epplers Vision einer neuen Gesellschaft

Erhard Eppler, der große politische Querdenker, war nach Rheinstetten auf die KiR-Bühne gekommen, um einerseits sein neues Buch ?Eine solidarische Leistungsgesellschaft? vorzustellen und andererseits die Arbeit des Burkina Faso Förderkreises mit seiner Gage zu unterstützen.

 

Seine Betrachtungen zur gesellschaftspolitischen Gesamtlage begann er mit der provokativen Aussage: ?Jetzt bin ich ein alter Mann, aber ob ich weise bin, wage ich zu bezweifeln. Dafür ärgere ich mich zu oft!? Noch nie, so Erhard Eppler, sei es so leicht ge-wesen sich zu informieren. Aber noch nie sei es auch so schwierig gewesen sich zu orientieren. Das Internet biete zwar eine unendliche Fülle an Informationen, aber diese nütze nichts ohne Orientierung. Zur Bewertung der Informationsfülle seien Bildung, Wissen und Erfahrung notwendig, nur dadurch seien Sachverhalte richtig einzuschätzen.

 

Sein neues Buch ?Eine solidarische Leistungsgesellschaft? sei der Versuch einer solchen Orientierungshilfe, denn das Creda der Marktradikalen, der Markt sei klüger als die Politik, habe sich als Irrglaube erwiesen. Eppler zeigte am Begriff ?Leistungsträger?, wie die moderne Gesellschaft in den vergangenen vierzig Jahren manipuliert wurde. Gebetsmühlenhaft habe man uns weis gemacht, Erfolg und Leistung seien dasselbe. Das jedoch, so Erhard Eppler, sei ein Märchen, wie er am Beispiel Norbert Röttgens exemplarisch darstellte. In seinem Buch geisselt der politische Querdenker auch das exorbitante Missverhältnis zwischen den Verdiensten durchschnittlicher Arbeitnehmer und Spitzenmanagern. Deren Einkommen sei in vielen Fällen schlicht unmoralisch.

 

Heute sei es notwendig erneut über Themen zu diskutieren, die bereits vor vierzig Jahren zentrale Auseinandersetzung der Politik waren. Die Frage, ob unbegrenztes wirtschaft-liches Wachstum Lebensqualität bringe oder warum Banken von ihrem eigenen Versagen profitieren, sei heute so aktuell wie in den 70er Jahren.

 

Bei der Lesung, die durch die Violinistin Alma Deller musikalisch umrahmt wurde, schob Erhard Eppler immer wieder höchst aktuelle Bezüge ein, so dass deutlich wurde, dass seine Vision einer ?solidarischen Leistungsgesellschaft? durchaus die Kraft für einen neuen gesellschaftlichen Aufbruch entfalten könnte.

 

Zum Abschluss übergab der ehemalige Entwicklungshilfeminister in der Regierung Willy Brandt einen Scheck in Höhe von 1.000,- Euro an den Förderkreis Burkina Faso, wofür sich die beiden Vorsitzenden Rosi Peregivits und Willi Volkmann bei ihm mit dem afrikanischen Saponè-Hut bedankten.

 

Gesetze und Urteile als Quellen für Werner Koczwaras Realsatire

Bereits in der Ankündigung des zweiten Teils seines Programms ?Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt ? die zweite Instanz? ließ der schwäbische Kabarettist Werner Koczwara wissen, dass Juristen und Nichtjuristen lachen werden ? nur nicht an den gleichen Stellen. Und seine Vorhersage traf voll ins Schwarze. Allerdings die Nichtjuristen hatten mehr zu lachen, denn BGB, Arbeitsrecht, Sozialgesetz, Reiserecht und viele andere Gesetzeswerke waren die Quellen für manche juristische Realsatire. Allein das fünffache Vorlesen eines einzigen Paragrafen erzeugte wahre Lachsalven. Zu unverständlich war das Juristendeutsch für normale Menschen!

 

Die gefühlten drei Milliarden Paragrafen, die es bei uns gibt, waren für Koczwara eine nie versiegende Quelle irrwitziger Geschichten rund um das Thema Recht. Gesetze, so der Kabarettist, seien Betriebsanleitungen für den Rechtsstaat, doch bei manchen ergehe es einem wie bei den Bauanleitungen bei Ikea: man stehe ratlos davor. Beispielsweise zitierte er § 919 BGB einen ?verrückten Grenzstein? und von der ?Grenzverwirrung? in § 920 oder von der Aufforderung zur Kinderarbeit in § 1619. Dazwischen streute Koczwara tiefgründige Erkenntnisse, wie der Rosenmontagsumzug sei ein humoristischer Castortransport oder man werde 2035 ein besonderes Jubiläum feiern ? 1000 Jahre deutsches Bier, um schließlich zu der Erkenntnis zu kommen, ?Das Gute ist in der Mitte, sprach der Teufel und setzte sich zwischen zwei Juristen!?

 

Koczwaras besondere Vorliebe galt den Besonderheiten des Reiserechts und der Klagen von Reisenden. Seine Liste der Top-Ten-Klagen ging vom überraschend endenden Sonnenuntergang auf Mauritius bis hin zur Minderung des Urlaubsvergnügens wegen einer Tiroler Jodlergruppe auf Karibikkreuzfahrt. Wie absonderlich Reiserechtsklagen teilweise seien, verdeutlichte er mit der Aussage, die Richter würden an der Gerichtspforte ihre Autoschlüssel abgeben, denn solche Verhandlungen seien ohne Alkohol nicht zu überleben.

 

Auch bei seinem zweiten Auftritt auf der KiR-Bühne überzeugte Werner Koczwara sein Publikum mit seinem Juristenkabarett. ?Auch wenn nicht alles sauber zitiert war, so hat er doch den Kern des juristischen Irrsinns getroffen. Sein schwarzer Humor ist einfach köstlich!? und das sagte nicht irgendwer sondern ein gestandener Jurist.

 

Fotos: Franz Gerstner

James Bond trifft Miss Marple zum Spanish Gipsy Dance

Bereits in der Konzertpause stand für viele im Publikum das Urteil fest: ?Das sind klasse Musikerinnen mit einem irren Repertoire.? Gemeint waren damit die ?Rheinsirenen?, die mit ihren überraschenden Arrangements in die Zauberwelt der Oper, des Action-Films und des Wilden Westens entführten. ?Granada? war an diesem Abend zwar nicht überall, wie es der Konzerttitel versprochen hatte, sondern auf der KiR-Bühne ? sehr zum Ver-gnügen des begeisterten Publikums.

 

Die ?Südlichen Nächte? fanden vor allem in Spanien statt. Sie begannen mit dem Spanish Gipsy Dance und führten zu George Bizets stolzer Zigarrendreherin Carmen, die mit einem rasanten Medley, das in Carmen?s Boogie mündete, gewürdigt wurde. ?Malaga? und ?Granada? durften ebenso wenig fehlen wie Stephan Langenbergs zauberhafte Komposition ?Esmeralda?. Dass dabei die bekannten Melodien im Text kabarettistisch verändert wurden, gab dem Ganzen eine besondere Note und zeigte ebenso wie die Zwischenmoderationen mehr als einen Hauch von Selbstironie, was überaus wohltuend war.

 

Im zweiten Teil des Konzerts traf Geheimagent James Bond in einer Mission Impossible Miss Marple und beide streiften gemeinsam mit Goldfinger durch das Mörscher Schul-zentrum. Broadway und Hollywood, Actionthriller und Wilder Westen wurden von den Rheinsirenen publikumswirksam interpretiert und zwischendurch wieherte eine müde Stute über einen ?ungeheueren Knaller?: Geht ein Cowboy zum Frisör. Kommt er raus ? Pony weg! Ennio Morricones ?Lied vom Tod? entpuppte sich als ein faszinierender Zweikampf zwischen Klarinette und Geige, ehe die südlichen Nächte unter sanft rauschenden Palmen mit Ary Barrosos ?Brazil? endeten. Aber erst nach der dritten Zugabe begleitete ?Mr. Sandman? ein begeistertes Publikum nach Hause.

 

Fotos: Franz Gerstner

...und das schrieb Holger Schorb am 3.4.2012 in den BNN über das Konzert:

Matthias Deutschmann: "Ich habe alles gesagt!"

Mit dem Helmut-Schmidt-Zitat "Ich habe alles gesagt" beendete Matthias Deutschmann sein "Solo 2012" auf der KiR-Bühne in Rheinstetten. Dabei wurde er seinem Ruf als schwer verdaubarer Kabarettist der Spitzenklasse gerecht.

 

Deutschmanns Art Kabarett darzubieten begeistert einerseits seine Fans, lässt aber andererseits einen Teil des Publikums verwirrt zurück. Er ist Provokateur, Sprachjongleur, Intellektueller, Bildungsbürger. Das erklärt auch seine posthume Hommage auf Christoph Schlingensief, dem größten aller Provokateure innerhalb des deutschen Kulturbetriebs. Deutschmann ist kein Kabarettist zum ?Ablachen? sondern einer zum Mit-, Weiter- und Querdenken. Er nimmt seine Aufgabe als Kabarettist, den Spießbürger zu entlarven, genussvoll wahr. Inhaltlich zitiert er den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, der behauptet, nicht Deutsch zu können sei ein Menschenrecht, was Deutschmann mit dem Zusatz ergänzt: ?Das immer mehr Deutsche in Anspruch nehmen!?

 

Ausführlich setzt er sich mit der herrschenden Islam-Phobie auseinander und stellt fest, dass Gruppen mit der Endung ?-isten? gefährlich seien: Islamisten, Kabarettisten, am schlimmsten seien jedoch die Germanisten. Oder er gibt seine Erkenntnis über die Banken preis: ?Wo Geld ist, ist kein Blut?. Das sehe man am besten an den blassen Bankberatern.

Zum Papstbesuch stellt der in Freiburg lebende Deutschmann fest, da sei in seiner Stadt die Hölle los gewesen. ?Das Höllental ins Himmelreich war total gesperrt.?

 

Anstatt immer neuer Rettungsschirme für Griechenland empfiehlt Matthias Deutschmann eine marktwirtschaftliche Rettungsvariante, denn schließlich sei unsere gesamte Kultur vom Ödipuskomplex bis zur Prometheussage mit den nachwachsenden Rohstoffen von den antiken Griechen beeinflusst. Wenn also ?wir Bildungsbürger? für jedes Wort griechischen Ursprungs 50 Cent Tantieme zahlen müssten, wären innerhalb kurzer Zeit alle Schulden beglichen.

 

Natürlich gab Deutschmann auch seine Einschätzungen zu öffentlichen Personen preis: Mappus ist für ihn ein ?illegaler Strauß-Nachbau?, Kretschmann ?spricht langsamer als er denkt?, Merkel werde Bundeskanzlerin bleiben, weil ihr Kohl das Geheimnis verraten habe, ?den Tiger zu reiten bis er rheumatisch wird? und Alice Schwarzer sei früher eine Frauenrechtler gewesen, jetzt sei sie nur noch ein Frauenleiden. Schließlich schlägt er den Bogen von Gutenberg zu Gutenberg ? von der Erfindung des Buchdrucks bis zur Abschaffung des Urheberrechts.

 

Seine Improvisationskunst bewies Matthias Deutschmann mit seinen aktuellen An-merkungen zu seinem Auftrittsort, dem Schulzentrum in Mörsch. Diesem ?Wellness-gymnasium im gedrückten Bauhaus-Stil? empfahl er eine Ü-50-Abrissparty. Damit könnten Männerträume erfüllt werden, denn sicher seien viele bereit, fünfzig Euro pro Baggerbisss zu zahlen, womit man das Ganze finanzieren könne. Und am Ende zitierte er Helmut Schmidt: ?Ich habe alles gesagt!?

 

Fotos: Franz Gerstner

  

...und das schrieb Holger Schorb am 5. März 2012 in den BNN über das Deutschmann-Gastspiel:

Mit freundlicher Genehmigung der BNN

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