Wir waren 2013 bei KiR:

Katja Ebstein
Thomas Fröschle
Georg Schramm
Wildes Holz
Simone Solga

Eine besinnliche Stunde Klassik in der St. Ursula Kapelle Neuburgweier

Die zweite Veranstaltung von "Klassik in der Kapelle" in der St. Ursula-Kapelle in Neuburgweier war musikalisch ein Erfolg.

 

Das Viviva-Trio bestehend aus Gregor Anger an der ersten Violine, Dominik Schneider an der zweiten Violine und Christoph Klein an der Viola beeindruckte mit seinem Spiel und ließ die Zuhörer dieses rund einstündige Konzert genießen. In besinnlicher Atmosphäre bei Kerzenschein spielten die drei Musiker der badischen Staatskapelle, denen man die Lust am Spielen deutlich anmerkte, zwei Terzette von Antonín Dvořák, sowie das Trio Op.87 von Ludwig van Beethoven.

 

Gerade in der stressigen Vorweihnachtszeit, sogar der Wind hat es an diesem stürmischen Abend eilig, bot Klassik in der Kapelle eine willkommene Möglichkeit, eine Stunde zur Ruhe zu kommen. Oder besser gesagt, hätte geboten.

 

Denn der hervorragenden Leistung der Musiker stand eine weniger erfolgreiche Anzahl von Besuchern gegenüber. Den KiR-Verantwortlichen taten dabei vor allem die Musiker leid, die mit Sicherheit ein zahlreicheres Publikum verdient hätten. So konnte selbst ehrenamtliches Engagement die enttäuschend geringe Anzahl von Besuchern nicht auffangen.

 

Und trotzdem kann KiR auf ein erfolgreiches Kabarett- und Kleinkunstjahr 2013 zurückblicken und wünscht zum Abschluss des Kabarettjahres seinen Gästen und Unterstützern eine besinnliche Adventszeit und fröhliche Weihnachten.



Fotos: Franz Gerstner

Mephisto trifft Merkel und Simone Solga trifft Walter

Begegnungen der ganz besonderen Art gab es beim Gastspiel der Kabarettistin Simone Solga am 22. November auf der KiR-Bühne. Da freute sich nicht nur das Publikum auf den Auftritt der Kabarettistin, sondern Simone Solga freute sich auch auf Rheinstetten, was an ihrer akribischen Vorbereitung auf diesen Abend sichtbar wurde. Wie kein Künstler vor ihr hatte sie sich, dem Internet sei Dank, über Rheinstetten und die kommunalpolitischen Interna informiert, so dass sie in ihrem Programm immer wieder Bezüge zu ihrem Auftrittsort herstellen konnte.

 

Auch bei ihrem vierten KiR-Gastspiel innerhalb von neun Jahren hielt Simone Solga an ihrem Markenzeichen fest und suchte den direkten Kontakt zum Publikum im Saal. Dieses Mal traf sie Walter, der sie wie ein roter Faden durch das gesamte Programm begleitete, den sie immer wieder ansprach, um Bestätigung oder Widerspruch bat und dem sie zum Schluss, als besondere Zugabe, ein Lied widmete. Der begeisterte Beifall zeigte der Kabarettistin, dass es ihr einmal mehr gelungen war, den Besuchern einen überaus gelungenen Abend zu bieten.

 

Überrascht zeigte sich mach einer ob der Aktualität des Programms, denn Solga machte ihre spitzen Anmerkungen auch zu Geschehnissen, die sich erst in den letzten Tagen ereignet hatten. So ließ sie den griechischen Ministerpräsidenten verkünden, dass er froh gewesen sei, dass Merkel nicht persönlich in die griechische Hauptstadt gekommen sei, denn "sonst müsste ich die Eule aus Athen tragen". Oder wenn sie Merkel zu Peter Ramsauer sagen ließ: "Den Bahnhof von Stuttgart sollst du versenken und nicht den Flughafen in Berlin." Simone Solga, die sich selbst in ihrer Rolle als Kanzlerinsoufleuse als "die Gänswein der Merkel" bezeichnete, wünschte sich für ihre Chefin "mehr Rückgrat statt Raute" und verwarf einen Brief an die "lieben Christdemokraten", weil sich bereits in die Anrede drei Fehler eingeschlichen hatten. Bei ihren politischen Rundschlägen traf die Kabarettistin jedoch in gleicher Weise Grüne, FDP und Piraten aber auch die Sozialdemokraten, die ihrer Meinung nach auf die rote Liste gehörten, weil sie eine aussterbende Art seien.

 

Ihr ganzes schauspielerisches und sprachliches Können zeigte Simone Solga in drei großartigen Textpassagen. In Anlehnung an Goethes Faust ließ sie Mephisto Angela Merkel treffen, erklärte die in den Koalitionsverhandlungen angeblich beschlossene Steuerreform, die das gesamte System vereinfachen soll, so wortreich, dass man am Ende rein gar nichts verstand und zappte zum Abschluss durch sämtliche Fernsehprogramme, was einen Wiedererkennungseffekt beim Publikum auslöste, der zwerchfellerschütternd war. Ach ja - und dann gab es noch die das badische Herz erfreuende Warnung, Berliner und Schwaben nie zu kreuzen, denn das ergibt "Großmaultaschen"!

 






Fotos: Franz Gerstner

Wenn aus Folterstöcken Zuckerstangen fürs Ohr werden

Die vorletzte KiR-Veranstaltung im Jahr 2013 war etwas anderes, denn nicht das politische Geschehen in Deutschland und der Welt war Thema, sondern es ging einzig und allein um die Blockflöte und was man damit machen kann.

 

Zwangsverpflichtet zum Blockflötenspiel sehen die meisten von uns darin ein Folterinstrument ungeliebter Musiklehrer. Mit diesem Vorurteil räumten die drei Musiker von "Wildes Holz" nachhaltig auf.

 

Und so reisen und rasen "Wildes Holz" mit "achtzig auf der linken Spur" durch die Republik, um für die Freiheit der Blockflöte von alten Zwängen zu kämpfen. Ob moderne Hits vom Madonna oder Michael Jackson, Jazz, irischer Folk oder klassische Klänge von Mozart und Beethoven, alles, was "Wildes Holz" vor die Instrumente kommt, wird bearbeitet und auf Blockflötengröße gestutzt.

 

Das Publikum vor der KiR-Bühne blieb erstaunt zurück, sich wundernd, was ein Mund mit zwei Flöten so alles anstellen kann. Ähnliches galt für die Flötengrößen, von Block- bis Subkontrabassflöte kam alles zum Einsatz, was aus Holz war, über Löcher verfügte und ein Mundstück hatte. Ein Stück nach dem anderen lief "süffig wie ein gutes Bier" ins Ohr des Publikums. Eine spätbarocke italienische Komposition, allerdings versehen mit neuen Akkorden und neuem Rhythmus, brachte dann auch noch Bewegung in den Theatersaal, diente dieses doch dem "Wilden Holz" als Mitmachstück.

 

Mit ihrer lauten Interpretation von "Highway to hell" von ACDC, ihrem Lied über eine Autobahn, entließen die drei Musiker ihr Publikum, nicht ohne es am Ende noch einmal zu fordern. Wie schon auf den Ankündigungsplakaten setzten die drei Musiker zum Luftsprung an. Das allgemeine Handyverbot wurde aufgehoben und die Zuschauer sollten mit ihren Kameras Bilder dieses Luftsprungs machen und an "Wildes Holz" schicken. So endete die Veranstaltung im Blitzlichtgewitter der Zuschauer und, völlig zurecht, mit stehenden Ovationen für die Musiker.



alle Fotos: Franz Gerstner

Georg Schramm servierte schwere Kost für Kabarett-Feinschmecker

Die wirklich herzhaften Lacher konnte man an einer Hand abzählen, als Georg Schramm sein Programm "Meister Yodas Ende - Über die Zweckentfremdung der Demenz" auf der KiR-Bühne spielte. Er zeigte sich als das, was sein Publikum von ihm erwartet - als bitterböser, scharfzüngiger, geistreicher Kritiker der Gesellschaft, eben als der gnadenloseste Satiriker, den das deutsche Kabarett zu bieten hat.

 

Georg Schramm hatte auf seiner Abschiedstournee, denn er tritt Ende des Jahres von der Bühne ab, alle seine bekannten Figuren mit im Gepäck: August, den hessischen Sozialdemokraten ebenso wie Oberstleutnant Sanftleben und Lothar Dombrowski, den handprothesigen, zornigen Rentner. Dabei zeigte sich erneut, dass Schramm kein Possenreißer ist, keiner der Witz an Witz, Pointe an Pointe reiht, sondern einer, der mit seinen aufs Äußerste zugespitzten Aussagen tief in die Köpfe seines Publikums eindringt, um dort dank der Kraft seiner Sprache Verhaltensveränderungen zu bewirken. Zumindest schien das sein Ziel zu sein.

 

Eingehend auf die Bundestagswahl lobte Dombrowski, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe ?Altern heißt nicht trauern?, die Wählerinnen und Wähler für die Abwahl der FDP: "Diese Gesichter werde ich in meinem Herzen bewahren", ehe er sich der Bedeutung des Zorns im Allgemeinen und für Ältere im Besonderen widmete. Über Homer, Thomas von Aquin bis hin zu Adorno bemühte er die Geistesgrößen aus zweieinhalb Jahrtausenden, um den Zorn als eine positive Gestaltungskraft der Gesellschaft darzustellen. Er stellte ebenso klar, dass nicht die Kanzlerin sondern Liz Mohn und Friede Springer die mächtigsten Frauen Deutschlands seien, wie er auch verdeutlichte, dass der Sozialstatus der Geldverleiher bis ins späte Mittelalter ganz unten auf der gesellschaftlichen Skala angesiedelt gewesen sei.

 

In seiner Paraderolle des Rentners Dombrowski verschmolz Georg Schramm mit seiner Kunstfigur, so dass man als Publikum nicht erkennen konnte, was nun Schramm und was Dombrowski war. Der Kabarettist steigerte sich in einen wahren Wortrausch, in dem er ohne Punkt und Komma, ohne Luft zu holen seine Thesen dem Publikum entgegenschleuderte, das mit dem "Verdauen" nicht nachkam und Dombrowski/Schramm als das wahrnahm, was er ist: Teil der abendländischen Kultur aus Aufklärung und Vernunft, der es sogar fertigt bringt den ewig zögerlichen hessischen Sozialdemokraten August zu einer Revolte an der Supermarktkasse aufzuwiegeln und damit den Satz von Dieter Hildebrandt zu widerlegen: "Die SPD macht in jede Hose, die man ihr hinhält."

 

Und jetzt tritt Georg Schramm ab! Bleiben dann nur noch diese geist- und wertfreien Comedians? Oder wird es unter den Jüngeren auch wieder Künstler geben, die den Namen "Kabarettist" verdienen?









alle Fotos: Franz Gerstner

Premiere auf der KiR-Bühne: Erinnerung an die verbrannten Dichter

Mit einem ambitionierten Projekt wagte sich die Theatergruppe "Die Samstagsprobe" am 80. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten auf die KiR-Bühne. Ihr Stück "Vernichtet. Vergessen?" erinnerte an die Schriftsteller, die am 10. Mai 1933 Opfer der Nazi-Ideologie von Rassenwahn und völkischem Staat wurden. An diesem Tag ging, wie Christoph Lembach von KiR es formulierte, die Toleranz in Deutschland in Rauch und Flammen auf.

 

Mit großer Ernsthaftigkeit setzten sich die jungen Darsteller unter der Regie von Matthias Brinck mit den "verbrannten Dichtern" auseinander und trugen Ausschnitte aus Werken bekannter und nicht mehr bekannter Autoren in szenischen Lesungen einem konzentriert lauschenden Publikum vor. Beginnend mit Kurt Tucholskys "Deutschland erwache" und Joachim Ringelnatz fünf Gedichten über Kinderstreiche führte das Stück zur Lesung aus Fritz von Unruhs "Opfergang". Immer wieder gab es Zwischenrufe von Schauspielerinnen und Schauspielern, die in der Mitte des Publikums aus Armin T. Wegners "Brief an Hitler" zitierten. Bekannte Autoren wie Alfred Döblin, Erich Kästner, Josef Roth, Stefan Zweig oder Franz Werfel wurden im ersten Teil der Erinnerungen ebenso erwähnt wie die heute in Vergessenheit geratenen Schriftsteller Richard Beer-Hofmann, Peter Martin Lampel, Theodor Plievier oder Lisa Tetzner, deren bewegende "Geschichte einer Weltreise" des Knaben Hans Urian durchaus in die Gegenwart übertragen werden könnte.

 

Mit Bert Brechts "Moritat von Mackie Messer" aus der Dreigroschenoper wurde der zweite Teil des Abends eröffnet. In den szenischen Darstellungen nach Arthur Schnitzlers "Anatol", Irmgard Keuns "Gilgi" oder Alexander Moritz Freys "Solneman, der Unsichtbare" konnte die Theatergruppe bestehend aus Marina Bauer, Matthias Brinck, Jennifer Karle, Dominic Spitz, Christian Telpl, Gregor Trapp, Tanja Vraschda, Katharina und Judith Winter sowie Mathieu Zimmermann ihr schauspielerisches Talent ausleben und überzeugen. Für das Publikum erschreckend und überaus authentisch spielte Mathieu Zimmermann den SA-Mann, der die Bücher aller Autoren ins Feuer warf und so "alles Undeutsche den Flammen" übergab. Sein Eingangsmonolog, der Originaltext, der bei der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Opernplatz in Berlin tatsächlich gesprochen wurde, wirkte ebenso wie seine Zwischentexte vor den Werken der "verbrannten Dichter" menschenverachtend und erschütternd. In manchem Publikumsgesicht konnte man die Frage ablesen, ob denn so etwas auch heute wieder passieren könnte.

 

Mit dem ausgesprochen schwierigen Thema, über das auch im begleitenden Programmheft vorzüglich informiert wurde, gelang der "Samstagsprobe" die eindrucksvolle Aufarbeitung deutscher Vergangenheit und die Erinnerung an bedeutende Autoren der Weimarer Republik, was eine größere Besucherzahl verdient gehabt hätte.

 

Das Stück "Vernichtet. Vergessen?" wird am Montag, 13. Mai um 11.00 Uhr für die Oberstufe des Walahfrid-Strabo-Gymnasiums in Rheinstetten und am Samstag, 16. Mai um 20.00 Uhr im Pfarrzentrum Würmersheim aufgeführt.



alle Fotos: Franz Gerstner

Klassik in der Kapelle: Premierenkonzert mit dem Fächer-Quartett

 

Am Palmsonntag feierte "Klassik in der Kapelle", die neue Reihe der KiR-Bühne, mit dem ersten Konzert einen gelungenen Auftakt. Das Fächer-Quartett und der Klarinettist Frank Nebl, allesamt Musiker der Staatskapelle Karlsruhe, führten das Streichquartett a-Moll op. 13 von Felix Mendelsohn- Bartholdy und das Klarinettenquintett A-Dur KV 581 von Wolfgang Amadeus Mozart in der Sankt-Ursula-Kapelle Neuburgweier auf, die sich hervorragend für Kammermusik eignet, weil ein Quartett bzw. Quintett in diesem Raum eine einmalige Klangfülle entfalten kann.

 

"Ist es wahr?" lauten die ersten Worte eines Liedes, das von unerfüllter Liebe handelt, das Felix Mendelsohn 1827 vertonte und eben diese Melodie stellte er an den Beginn und das Ende seines Quartetts. So wird das Lied Motto und Rahmen der Komposition und zeigt die Spannung zwischen lyrisch- romantischer, melancholischer und leidenschaftlicher Stimmung, die dieses Werk kennzeichnet. Typisch für die Einschätzung des Quartetts durch die Zeitgenossen ist eine Anekdote aus den Erinnerungen Mendelsohns: bei einer Aufführung des Quartetts in Paris 1830, bei der Mendelsohn anwesend war, erkannte ein Zuhörer, dass im 2. Satz eine Melodie des von Mendelsohn verehrten Beethoven zitiert wurde und hielt daraufhin das gesamte Quartett für eines von Beethoven, eine Einschätzung, die Mendelsohn als "süß-sauer" empfand. Dass dieses Quartett von einem 18-Jährigen stammen sollte, war schlicht unvorstellbar. Und wer in der St.Ursula-Kapelle gehört hat, wie mitreißend und ausdruckstark die vier jungen Musiker des Fächer-Quartetts das Werk vorführten, auf welch kühne Weise lyrische, liedhafte Passagen schroff neben dramatisch-spannende Durchführungen mit fast orchestraler Klangfülle gesetzt werden und dabei zugleich der Eindruck eines in sich geschlossenen stimmigen Werkes vermittelt wird, der wundert sich auch heute noch über die Meisterschaft des 18jährigen Mendelsohn.

 

Im 2. Teil erklang das Klarinettenquintett von Mozart, das dieser 1789 für einen Freund, den Wiener Klarinettisten Anton Stadler, schrieb und zwar in einer Zeit, in der Mozart in Wien keinen Erfolg mehr hatte und ihn erhebliche finanzielle Sorgen plagten. Dies zeigt sich im Quintett darin, dass jeweils einem Dur-Thema ein Moll-Thema gegenübergestellt wird, was Richard Strauss veranlasste, im Zusammenhang mit diesem Quintett von "melancholischer Heiterkeit" zu sprechen. Mozart liebte den Klang der Klarinette, weil ihr Timbre der Singstimme gleicht und sowohl unbeschwert heiter wie auch melancholisch klingen kann. So hat Mozart den 2. Satz so angelegt, dass zunächst die Klarinette eine Kavatine anstimmt und dann zusammen mit der 1.Violine Duett "singt", und die Melodie des letzten Satzes erinnert an eine vorweggenommene Melodie des Papageno aus der Zauberflöte.

 

Schwungvoll und mitreißend musizierte das Fächer-Quartett, die Klarinette fügte sich mit den Streichern zu einem wundervoll harmonierenden geschlossenen Klangbild, ohne dass dabei die solistische Rolle des Klarinettisten verloren ging.

Frank Nebl spielte virtuos, mit einem warmen Ton und technischer Perfektion. Allen fünf Musikern merkte man an, dass sie hervorragend aufeinander eingestimmt waren und mit Freude und Können miteinander musizierten. So galt am Palmsonntagabend, was schon von die Uraufführung des Klarinettenqintetts gesagt wurde: das Publikum nahm es mit Begeisterung auf und wartet gespannt auf das nächste Konzert der Reihe "Klassik in der Kapelle".

Text Hans Peter Klein

Thomas Fröschle als Comedian und Magier mit der Kettensäge

"Das war ungemein entspannend, ohne viel nachzudenken zum Lachen und wirklich toll waren die Zaubertricks", so die Reaktion auf das Gastspiel von Thomas Fröschle, der unter dem Namen "Topas" als mehrfacher Weltmeister der Zauberkünstler die ganze Welt bereist.

 

Auf der KiR-Bühne zeigte er seine neue Comedy-Show "Frosch mit Ohren", die in einer Mischung aus Stand-up-Comedy, Parodie und Magie das Rheinstettener Publikum in eine Welt der Illusion mitnahm und es zum Stauen und Lachen gleichzeitig brachte. Eingebettet in die Erzählung einer Vielzahl alltäglicher aber auch skurriler Szenen, ließ Thomas Fröschle immer wieder seine Liebe zur Magie durchblicken und verzauberte mit seinen Kunststücken sein Publikum. Selbst mehrfache Wiederholungen erlaubten es nicht die Illusion zu entlarven. Kindliches Staunen und begeisterter Beifall waren der Lohn für den komödiantischen Zauberer, der unendlich viele Münzen aus seinem Ärmel schüttelte, die zersägte Jungfrau in Miniatur zeigte, indem er seinen eigenen Arm zerstückelte oder sich beim überdimensionalen Kartentrick als Magier mit der Kettensäge offenbarte.

 

Wie bereits bei seinem letzten Gastspiel 2008 auf der KiR-Bühne zeigte Thomas Fröschle auch an diesem Abend sein außergewöhnliches parodistisches Talent. Seine Geräusche-Sammlung, als überzeugender Rap dargeboten, sein Sound-Check einer Rock-Band oder seine Parodie auf eine typische Mc-Drive-Bestellung waren absolute Lachgaranten.

Höhepunkt und Abschluss des Programms bildete jedoch das Howard-Carpendale-Medley in Gebärdensprache. Nach "Meine Spuren im Sand" blieb für viele Besucher nur noch der Wunsch an Thomas Fröschle "Hello again, ich möchte dich wiedersehn"!

...die Fotos zur Comedy-Show




Fotos: Franz Gerstner

Katja Ebstein in der St. Ursula Kirche mit überragender Bühnenpräsenz

Wer den Schlagerstar der frühen 70er Jahre erwartet hatte, war vielleicht enttäuscht, denn er erlebte eine gereifte Künstlerin, die durch ihr politisches und gesellschaftliches Engagement sowie ihre überragende Bühnenpräsenz überzeugte. Da gab es keinen oberflächlichen Text, keine Pointe um der Pointe Willen, sondern Katja Ebstein bot mit großer Ernsthaftigkeit literarisch hochwertige Texte und Lieder, die provozierten, bewegten und nachdenklich stimmten. Es war ein mutiges Programm gegen Vergessen und Gleichgültigkeit, das die Künstlerin in der Neuburgweierer Pfarrkirche St. Ursula bot.

 

Selten zuvor war eine Kirche in wenigen Minuten bis zum letzten Platz besetzt wie bei diesem Konzert und während des dreistündigen Programms konnte man eine Stecknadel fallen hören, so konzentriert war das Publikum auf das, was vor dem Altargemälde Emil Wachters geboten wurde. Schon der Prolog, das Vorkonzert durch "Effatah" mit acht bewegenden und mitreißenden Gospel-Songs war ein kleines Kunstwerk, denn der Chor rief den Besuchern zu: "Öffne dich ? effatah". Herbert Deck vollbrachte mit seinen Sängerinnen und Sängern eine punktgenaue Landung, so dass Katja Ebstein vor ein im höchsten Maße gespanntes Publikum treten konnte.

 

Gemeinsam mit ihrem exzellenten Pianisten Stefan Kling füllte die zierliche Katja Ebstein mit unglaublicher Bühnenpräsenz den gesamten Kirchenraum. Eine Handbewegung, eine Kopfhaltung genügte, um die Aussage eines Textes zu unterstreichen. Und Texte, lyrische Texte, gab es reichlich. Katja Ebstein hatte eine erstaunliche Zahl bester Lyrik großer kritischer Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts zu einem Programm zusammengefügt: Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Bert Brecht waren ebenso vertreten wie Georg Kreisler, Hans-Dieter Hüsch, Hannes Wader oder Bettina Wegner und Udo Lindenberg. Ebsteins Engagement für Kinder und gegen Krieg, für Demokratie und gegen Nationalismus wurde in Liedern wie "Friede fängt beim Frühstück an" oder "Samoa" aber auch bei ihrem Ausruf "Lieber Gott, komm doch mal runter" deutlich. Mit ihrem Lied "Jesus", einem Manuskript von Bettina Wegner, provozierte die Künstlerin sicherlich einige, aber mit ihrer Vorstellung wie Jesus heute leben würde, unterstrich sie genau das, was sie in einer sehr ernsthaften Pausendiskussion über die Rolle von Religion und Kirche zu einem Konzertbesucher sagte: "Mehr Mutter Teresa und weniger Amtskirche das wäre heute notwendig."

 

Genauso ernsthaft setzte sich Katja Ebstein mit dem Begriff "Heimat", der von den Nationalsozialisten miss-braucht wurde, auseinander. Es gebe Begriffe, die über der Zeit stünden, so Ebstein, Werte, die jenseits einer Ideologie gültig seien. Für viele Besucher die ergreifendsten und nachdenklichsten Lieder waren der Song über ein Kinderleben "Sind so kleine Hände" und Ebsteins Interpretation von "Sag mir, wo die Blumen sind".

 

Damit endete ein eindrucksvolles, sicherlich anders als erwartetes Kirchenkonzert, das allerdings auch sein "Fettnäpfchen" hatte: Die auch aus dramaturgischen Gründen stark berlinernde Katja Ebstein versuchte ihre "Berliner Schnauze" mit dem Hinweis zu entschuldigen "und hier schwäbelts halt". Die Resonanz des Kirchenschiffes verdeutlichte ihr in wenigen Sekundenbruchteilen ihren Fauxpas, den sie mit einem Loblied auf die badische Freiheitsliebe und den Revolutionsgeist auszugleichen suchte.

... Katja Ebstein während des Konzerts:






Fotos: Franz Gerstner