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Sie waren 2025 bei KiR

Simone Solga
Stefan Danziger
Mathias Tretter
HG Butzko
Christoph Sieber
Inka Meyer
Max Uthoff
Thilo Seibel

Max Uthoff überzeugte auf der KiR-Bühne

Am 14. November stand Max Uthoff mit seinem fünften Soloprogramm auf der KiR-Bühne. „Alles im Wunderland“ nennt es der Kabarettist in Anlehnung an den Kinderbuchklassiker von Lewis Carroll, dessen Titelfigur Alice in eine Welt der Absonderlichkeiten hineingerät.

 

Am Tag zuvor war Max Uthoff in München mit dem Dieter-Hildebrand-Preis ausgezeichnet worden. Und in Rheinstetten zeigte er, warum er diesen Preis verdient hat, denn er bringt alles auf den Punkt, formuliert auf höchstem Niveau ganz ohne überflüssige Pausenfüller. Auch auf der KiR-Bühne erweist er sich als Meister der scharfzüngigen Beobachtungen und Überlegungen, bei denen sich manche im Publikum wünschen, mal kurz auf den Pausenknopf drücken zu können, um das Gehörte zu reflektieren und zu genießen.

 

Wer erwartet hatte, einen Kabarettisten zu erleben, der sein gesamtes Programm darauf ausrichtet das politische Personal, namentlich die Regierenden fertig zu machen, musste enttäuscht sein, denn die kleinen Spitzen gegen Merz, Söder, Trump und Co waren eher Randerscheinungen. Obwohl Uthoff zugab, dass „Fritze Merz“ eine kabarettistische Lebensversicherung sei.

 

Viel mehr beschäftigte er sich mit all den Widersprüchen und Absurditäten, die man im Leben aushalten muss und die sich auch nicht auflösen lassen. Uthoff bezieht das ganz konkret auf sein eigenes Leben und das seines Publikums. Dabei wagt er sich an die ganz großen Themen wie Leben und Tod, Einkommen und Bildung. Seine Erkenntnis, dass es darauf ankomme, in welche Verhältnisse wir hineingeboren werden, ist zwar nicht neu, aber Uthoffs Argumentation ist durchaus nachvollziehbar, gerade weil er satirisch überspitzt.

 

Mit besonderem Engagement widmete er sich beim Thema Bildung der aktuellen schulischen Praxis. Ausgehend von der Aussage seiner damals achtjährigen Tochter: „Mama, Papa, die Schule steht meinem Leben im Weg“ hinterfragte er das heutige System der Bildung: „Fast das gesamte Wissen, das wir in der Schule lernen, kann man in 20 Sekunden googeln“.

 

„Der Unterricht“, so Max Uthoff, „beginnt am Morgen zu einer Zeit, da die meisten Schlafforscher noch nicht einmal ihren ersten Kaffee getrunken haben“ und, so fährt der Kabarettist fort, weltweit gäbe es keine einzige Studie „die klar belegt, dass Hausaufgaben irgendeinen pädagogischen Nutzen haben, trotzdem können wir nicht damit aufhören“.

 

Dass Kabarett auch zum Widerspruch anregen kann, erfuhr Max Uthoff nach seinem umjubelten Auftritt auf der KiR-Bühne, als er sich in einer langen, intensiven Diskussion einer größeren Gruppe stellte, was ihm sichtlich Freude bereitete.

 

 

 

 

Die Bilder des Abends von Wolfgang Lauber

Kabarettistin Inka Meyer glänzt in Rheinstetten

Das „handverlesene“ KiR-Publikum durfte wieder einmal eine gelungene Kabarett-Veranstaltung erleben: Inka Meyers aktuelles Programm „Zurück in die Zugluft“ kam bei knapp 100 Besucherinnen und Besuchern in der Aua des Schulzentrums gut an.

 

Inka Meyer zog das Publikum von der ersten Minute an in ihren Bann. Das Programm verband Alltagsanekdoten, politische Pointen und persönliche Geschichten – selbstironisch, pointiert und zugleich zugänglich. Den Auftakt leiteten die Fragen ein, der sich die Künstlerin immer wieder ausgesetzt sieht. Vor allem die Frage nach dem Alter, der Herkunft und der Kinder. Geprägt von den Erfahrungen mit einem „U-Boot-Vater“, „der nach der Geburt schnell abgetaucht war“ und den Erfahrungen im Freundeskreis hat sich Inka Meyer – das macht sie in ihrem Programm deutlich – bewusst gegen Kinder entschieden. Denn, so Meyer, während die ganze Kraft und der Elan heute dem Beruf gehören, bleibe für die Kinder nur die „Zeit der Müdigkeit“. Und Kinder aus rentenpolitischer Überlegung seien nun auch nicht das zu erstrebende Ziel.

 

Die „Rhein-Neckar-Zeitung meinte zu ihrem Programm: „Fröhlich dahinfabulierend hangelte sie sich dabei wortreich von ihrer eigenen Biografie voran zu den zweifelhaften Segnungen der Neuzeit, die aber vor allem für die Generation Z immer mehr Stress bedeuten.“

 

„Eine gute Mischung aus Witz und Tiefgang“, lautete eine Rückmeldung aus dem Publikum. Ein weiterer Besucher hob Inka Meyers Fähigkeit hervor, aktuelle Themen humorvoll zu verarbeiten, ohne sie zu vereinfachen. Inka Meyers Auftritt mit „Zurück in die Zugluft“ war ein Abend, der zum Lachen und zum Nachdenken anregte. Inka Meyer nahm ihr Publikum mit auf eine hochkomische Suche nach dem verlorenen Spaß im Leben. Es war eine heitere Kampfansage gegen die unerträgliche Seichtigkeit des Scheins.

Die Bilder des Abends von Christoph Lembach

Christoph Sieber: „Das Hirn ist eine arme Sau!“

Zum Schluss dankte ein sehr gut besuchter Saal mit zum Teil Standig Ovationen Christoph Sieber für seinen zweiten Auftritt auf der KiR-Bühne. Und zum zweiten Mal begeisterte der Kabarettist sein Publikum in Rheinstetten.

 

In seinem neuen Programm „Weitermachen!“ geht es um gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen, um den Zusammenhalt und das, was uns trennt. An diesen Irrungen und Wirkungen arbeitete sich Christoph Sieber an diesem Abend sehr zum Vergnügen seines Publikums ab.

 

Er stellt fest: „das Hirn ist eine arme Sau“, weil es nur das rechtfertigen kann, was der Rest des Körpers schon lange entschieden hat. Die Schwäche des Hirns, so stellte der Kabarettist fest, sei das Problem des 21. Jahrhunderts.

 

Auch die sozialen Medien bekamen im Verlauf des Programms ihren Teil ab. Sieber feierte das Festnetz als Segen für die Menschheit, die Zeit, als das Telefon der Zugluft im Flur wegen noch umhäkelt wurde. Er beklagte, dass es heute für alles eine App gebe. So sei ein Gast schon in einer Veranstaltung aufgestanden, weil seine App ihm angezeigt hatte, dass nicht alle Hühner im Stall seien. Und Sieber fragte sich, ob es demnächst auch eine App gebe, die überwacht, ob man noch alle Tassen im Schrank habe. Als Konsequenz aus diesem digitalen Wahnsinn forderte Sieber für die Menschen eine Woche ohne Internet, damit man sich auch von Ebay-Anzeigen, wie „Verkaufe Sarg wegen falscher Diagnose“ erholen könne.

 

Christoph Sieber arbeitete sich auch an der Aufgeregtheit der Deutschen ab, als Robert Habeck sich richtigerweise an die Ölheizungen gewagt hat und er fragte, woher plötzlich das innige Gefühl für die eigene Heizung im Keller komme. Er verglich gar die Ölheizung mit dem Partner: „… den ganzen Sommer unbenutzt“. Auch den Ruf nach einem starken Mann thematisierte Christoph Sieber und machte gleich deutlich, dass der Mann das Problem ist. Am "Fritten-Hitler“ Wilders aus den Niederlanden machte er klar, dass es die starken Männer nicht in der Politik sondern in der Pflege gibt.

 

Und bei all den Problemen in Deutschland „kackt auch noch die Wirtschaft ab“ - auf das Wohlstandsniveau von 2016! Sieber erinnert mit viel Ironie an die große Hungersnot in Karlsruhe 2016 mit den Bildern hungernder Kinder und an die schlimme Situation, dass man auf Sylt sogar die Austern roh essen musste. Da forderte er mehr Konsum von den Gästen und fragte sich dann, was der Sinn eines 72-Stunden-Deos sei oder der einer Funktionshosen, was denn die Funktion der anderen Hosen sei.

 

Auf die Rolle der Medien eingehend, kritisierte er die „Angstmacherüberschriften“, mit denen sich heutzutage viel mehr Geld verdienen lässt. Den Abend schloss Christoph Sieber mit einem flammenden Plädoyer für die Meinungsfreiheit. Der Applaus zeigte, wie gut sein Programm „Weitermachen!“ in Rheinstetten beim KiR-Publikum angekommen war.

Die Bilder des Abends von Franz Gerstner

Stefan Danzigers wundervolle Geschichtsstunde

Stefan Danziger war zum zweiten Mal auf der KiR-Bühne und begeisterte mit seiner wundervollen Geschichtsstunde das Rheinstettener Publikum.

 

Mit einem Parforceritt durch die Menschheitsgeschichte, insbesondere durch die Kolonialisierung der verschiedensten Weltregionen erwies sich „der kleine Comedian aus dem großen Berlin als hintersinniger Mann mit Bildung“, wie es die Münchner Abendzeitung formulierte. Warum er sich selbst als Comedian bezeichnet, erschließt sich nicht, denn seine Texte sind im Grunde typisch Kabarett: hochaktuell und überaus politisch.

 

So zeigte er den Zusammenhang zwischen ukrainischen Sonnenblumen mit Sklaverei und Kolonialismus in Asien und Amerika oder was Katharina die Große, die deutsche „Krim-hild“, mit Wladimir in Russland und Volodymyr in der Ukraine bis heute zu tun hat. Stefan Danziger ist ein Geschichtserklärer mit großem historischem Atem. Mit seinen Kenntnissen in slawischer Geschichte und seinem Wissen über die Herkunft der Moskawiter könnte er Putin Nachhilfe in russischer Geschichte geben. Wie gesagt, Danzigers Programm, seine Geschichtsstunde war hochaktuell und trotz des ernsten Hintergrunds amüsant und kurzweilig.

 

Zwei Stunden berlinerte sich der gebürtige Dresdner, der ab seinem sechsten Lebensjahr in der Sowjetunion aufwuchs, weil sein Vater als DDR-Teilchenphysiker in der Sowjetunion arbeitete, durch sein Programm, was dem Abend einen ganz besonderen Flair verlieh. Danziger beendete seine Geschichtslektion mit der überaus ernstgemeinten Empfehlung an das Publikum für ein gelingendes individuelles und gesellschaftliches Leben: „Macht einfach nichts kaputt!“

Lang anhaltender Beifall belohnte den Künstler für seine wundervolle Geschichtsstunde und die KiR-Bühne verabschiedete sich mit einem überaus positiven Kabarettabend in die Sommerpause.

Die Bilder des Abends von Wolfgang Lauber

HG Butzko: „Ich sitze mitten in den Nesseln. Schon immer!“

Es war wie bei den vorherigen Auftritten des Kabarettisten HG Butzko in Rheinstetten: Ein Mann, ein Stehtisch, eine Meinung!

 

Gleich mit den ersten Sätzen stellte der Mann aus Gelsenkirchen, aufgewachsen im Stadtteil Schalke neben dem Stadion, klar, dass es schon ein bisschen anstrengend werden könnte, denn es ginge in seinem neuen Programm um Meinungsbildung – also um Meinung und Bildung! Zwar solle er für zwei Stunden Frohsinn und Unterhaltung sorgen, aber, so meinte Butzko, „Mein Kabarett ist Gehirnjogging.“ Er sei der Hirnschrittmacher aus dem Ruhrpott, der weder die eine, noch die andere Seite und schon gar nicht sich selbst schone. Er frage sich jedoch, ob das KiR-Bühnen-Publikum das gedanklich schaffe, in einer Zeit, in der sich die Synapsen maximal auf Überschriften fokussieren. Diese Sorge des Kabarettisten war absolut unbegründet, denn Applaus und Lachen kamen an den richtigen Stellen - auch bei unerwarteten Drehungen und Wendungen.

 

HG Butzko nahm sein Publikum mit auf eine Reise durch die gesellschaftlichen und politischen Krisengebiete der Gegenwart. Merz und Trump, Ukraine und Gaza, Alt und Jung, Digitales und Analoges, Corona und Papstwahl gehörten ebenso dazu wie der Blick auf sich selbst und sein Publikum. Er selbst, so erklärte er, stehe über allen Lagern. „Mein politischer Standpunkt ist zwischen allen Stühlen.“ Er setze sich mitten in die Nesseln. Schon immer.

 

Vieles von dem, was derzeit geschehe, sei für ihn eine besondere Herausforderung und verursache großes Erstaunen. Seit Corona wisse er, wie viele Virologen es auch in seinem persönlichen Umfeld gebe, ohne dass die jemals Medizin studiert hätten. Oder die Verlautbarungen aus dem Weißen Haus. Für so was musste Christoph Daum eine Haarprobe abgeben. Immer wieder bezog sich Butzko auf seine Vergangenheit als Zivi und seine Herkunft aus Gelsenkirchen, das für ihn keine Stadt ist, sondern einem Thrombosestrumpf gleiche: Ohne Stütze geht gar nichts!

 

Nach zwei Stunden bester Kabarettunterhaltung verabschiedete sich HG Butzko mit zwei Zugaben von einem kräftig applaudierenden und sichtlich zufriedenen KiR-Bühnen-Publikum. Wir hätten dem Mann aus Gelsenkirchen, der in Berlin lebt, von Herzen mehr Kleinkunstbegeisterte gewünscht. Er hätte es wirklich verdient gehabt!

Die Bilder des Abends von Wolfgang Lauber

Mathias Tretter zeigte auf der KiR-Bühne, wie anspruchsvolles Kabarett geht

Mathias Tretter war mit seinem derzeitigen Programm "Souverän" am 28. März auf der KiR-Bühne. Und an diesem Abend zeigte er seinem hochzufriedenen Publikum, was Kabarett alles kann. Denn Mathias Tretter war wortgewaltig, scharfzüngig, aufklärerisch, kritisch, faktenbasiert und setzte seine Pointen zur rechten Zeit. Mit anderen Worten: sein Programm war "Souverän" und topaktuell.

 

Seine kritische Auseinandersetzung mit den laufenden Koalitionsverhandlungen und der politischen Lage in der Zeit nach der Bundestagswahl war ebenso satirisch souverän wie seine Darstellung Trumpscher Politik oder der Zielvorstellungen eines Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg. Dem Siegeszug des Populismus in Politik und Gesellschaft und der Macht sozialer Netzwerke stellte er die reinigende Wirkung des deutschen Stammtisches gegenüber. Denn im Vergleich zur Anonymität im Netz erzeuge die körperliche Anwesenheit am Stammtisch einen durchaus positiven Effekt oder wie Mathias Tretter sich ausdrückte: „Gewalt ist zwar keine Lösung aber eine Hemmung!“ Daher forderte er die Rückkehr zur deutschen Stammtischkultur, die ein echtes Weltkulturerbe sei.

 

Wie bei seinem letzten Auftritt in Rheinstetten hatte Tretter auch dieses Mal seinen Freund Ansgar, sein Alter Ego, mit dabei, der nach seinem Scheitern als Kunstgalerist und seiner misslungenen Ehe mit einer chinesischen Pianistin einen Neustart mit einer chinesischen Marsmission versuchte. Doch Ansgars absurde Flucht ins All endete abrupt und entpuppte sich in der Schlusspointe als reine Simulation.

 

Trettter analysierte mit seinem neuen Programm treffsicher die kleinen und großen Krisen dieser Zeit, bot hochrespektables politisches Kabarett, überzeugte mit geistreichen Wortspielen und hielt sein anspruchsvolles Niveau über kurzweilige zwei Stunden – ganz souverän. Sein Publikum in Rheinstetten genoss diese gleich zu Beginn angekündigte handyfreie Zeit und dankte Mathias Tretter mit langanhaltendem Beifall für einen gelungen Abend.

Die Bilder des Abends von Franz Gerstner

Kabarett kann auch weh tun

Jahrelang war das Mantra in der Kabarettszene „Kabarett muss auch weh tun“ und man hoffte, dass es die anderen trifft. Am ersten KiR-Abend des sozialdemokratischen Kulturprojekts in diesem Jahr bekam aber in der Hauptsache das Regierungslager sein Fett weg. Dass dabei die Rest-Ampel Hauptangriffsziel der Kabarettistin war, gehört in einem Land mit freier Meinungsäußerung dazu.

 

In einem zweieinhalbstündigen Programm präsentierte Simone Solga vor vollem Haus ihre Sicht auf unser Land. Klar: Kabarett muss den Finger in die Wunde legen, muss politische Missstände benennen, Kabarett darf viel, es darf oder muss auch weh tun. Kritisches Kabarett hört aber da auf, wo destruktives Wutbürgertum und die Diskriminierung von Menschen beginnt. Diese Grenze überschritt Simone Solga immer wieder und viele des Stammpublikums stellten fest, dass das nicht mehr die Kabarettistin war, die sie auf der KiR-Bühne in den vergangenen 25 Jahren kennengelernt und die die Verantwortlichen vor zwei Jahren gebucht hatten.

 

Allerdings gehört auch zur Wahrheit dazu, dass Solga ein gespaltenes Publikum zurückließ: einem Teil hat das Programm gefallen, einige waren enttäuscht und andere sind aus Protest in der Pause gegangen.

Die Bilder des Abends von Franz Gerstner